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Seine Bilder dort machen, wo niemand fotografiert, hatte schon immer einen besonderen Reiz. Zu den verkannten Tauchplätzen gehören
Seegraswiesen und Sandflächen. Eine Welt der Heimlichkeiten und Tarnungen. Herbert Frei hat sich in die Einöde begeben. Mit erstaunlichen Ergebnissen.
Bieten Rifflandschaften geradezu eine Fülle an Motiven, scheint es auf Sandflächen genau umgekehrt zu sein. Hastig schwimmen die meisten UW - Fotografen über den
trostlosen Untergrund, inbrünstig hoffend, dass bald die Steilwand oder ein Korallenblock kommen möge. Unwissentlich wird dabei übersehen, dass es sich hier um eine
faszinierende Welt mit hochaktiven Spezialisten handelt, die sich dieser grau - weißen Welt in allen Belangen angepasst haben.
Wer oder was lebt im Sand?
Um Sandmotive ausfindig zu machen, bedarf es eines geschulten Auges, viel Geduld und einer Menge Zeit. Achten Sie darauf, dass die von Ihnen angeschwommene
Sandfläche nicht wesentlich tiefer als 30 m liegt. Sie haben sonst nur wenig Zeit, um in der Nullzeit zu bleiben, denn das Suchen oder Anpirschen an die scheinbar im
verborgenen lebenden Tiere kann dauert. Denken Sie nur an die scheuen Röhrenaale, von denen ein Portrait meist nur nach anstrengendem Atemanhalten und vielen
Anpirschversuchen mit langer Wartezeit gelingt. Speziell beim Fotografieren von Röhrenaalen sollte der Fotoplatz maximal in 15 m Wassertiefe liegen. Neben den
bekannten Röhrenaalen leben auf Sandflächen oder im Sand noch viele Tiere, die einem aus Büchern und Tauchmagazinen bekannt sind. Plattfische wie Flundern, Schollen
und Butte muss man oft regelrecht aufspüren. Gleiches gilt für fast alle Arten von Rochen. Eingegraben liegen sie im Sand. Eine gewisse Gefahr besteht immerhin, dicht
über dem Sandgrund zu schwimmen, und eventuelle einen großen, getarnten Stechrochen zu übersehen, der sich bedroht fühlen und mit dem stachelbewehrten Schanz nach oben
schlagen könnte. Unterschätzen Sie das bitte nicht. Man sollte deshalb zum Untergrund beim Streckenschwimmen etwa einen Meter Abstand halten. Anders ist es, wenn man
sich fast kriechend weiterbewegt und die Kamera vor sich herschiebt. An dieser Stelle ein Hinweis. Sie dürfen als UW - Fotograf ohne ein schlechtes Gewissen zu
haben, im Sand knien, liegen und auch mal eine Wolke aufwirbeln. Es schadet weder dem Meer noch seinen Tieren, höchstens den eigenen Bildern, die dann mit
Blendenreflexen überzogen sind. Wer hier ins ökologische Grübeln kommt und sich von neurotischen Umweltspinnern verunsichert fühlt, sollte bedenken, dass zwei nach
Nahrung suchende Großrochen in der Regel herumfuhrwerken wie ein tobender Sandsturm. Und keinem würde es einfallen, sie deswegen zu rügen. Etwas anderes ist es, wenn
sich kleine Sandflächen in der Rifflandschaft befinden. Hier kann unbedachtes und rücksichtsloses Flosseln tatsächlich aufgewirbelten Sand bis ins Riff tragen, der
dann dort lebenden Korallenpolypen zu schaffen machen kann. Wir wollen es aber nicht dramatisieren. Eine hohe Dünung bis auf den Grund zu spüren ist, schadet mehr und
ist unvermeidlich. Das Interessante und Spannende an der Sandfotografie ist, dass man die hier entdeckten Tiere normalerweise nicht im Riff findet. Und wenn,
dann sind sie auf Sand oft anders gefärbt und damit meistens besser getarnt. Aber das muss so nicht auf alle Faunisten zutreffen. Manchmal verirrt sich auch ein
Rotfeuerfisch hierher, ebenso gelbe Nacktschnecken, farbige Seesterne, Seeigel und der fast unsichtbare Steinfisch (gräbt sich liebend gern bis zu den Augen ein) sind
oft nicht weit, insbesondere, wenn in der Nähe eine Seegraswiese wogt. Dann kann man Glück haben und sogar ein Seepferdchen erwischen.
Heimische Einöden
Nicht vergessen wollen wir, dass es auch im Süßwasser Sand- und Schlammflächen gibt, auf denen sich Kleintiere (Asseln etc.) niederlassen und manchmal sogar
ein Fisch eine Ruhepause einlegt. Sie finden diese Sand- und Schlammflächen in nahezu allen Seen, Flussnebenarmen und Tümpeln. Grundfische wie Barben, Gründlinge,
Groppen, Aale, Streber und Zingel findet man in dieser Zone deshalb so sehr schwer, weil sie bewegungslos und absolut getarnt daliegen. Nachts sind die Chancen besser,
weil die Fische auf Nahrungssuche sind. Doch auch gewöhnliche Großfische suchen Sandflächen zum Ruhen, Rasten und Lauern auf. Mancher Riesenhecht lässt sich tags
darauf nieder und ebenso viele Waller, die sich auf Sandflächen ihre Ruhestätten suchen, um von dort aus gegen Abend mit den Raubzügen zu beginnen. Karpfen und
Schleien graben sich dort im Herbst ein und Brachsen benutzen die großen Sandflächen zur Nahrungssuche, in dem sie den Untergrund staubsaugerartig aufsaugen und
anschließend gefiltert wieder ausspeien. Eine kleine Wunderwelt, die nur selten von Süßwasserfotografen aufgesucht wird.
Die richtige Belichtung
Mit blindem Vertrauen in die Kameraautomatik ist es nicht getan. Alle Belichtungsmesser, ob in der Kamera integriert oder als
separates Gerät mitgeführt, werden bei der Justage auf einen Reflexwert von 18% festgelegt. Dieser Wert entspricht einem mittleren Reflexionsvermögen normal
vorkommender Objekte (z.B. grüne Wiese), versagt aber bei einem extremen Lichtschluckvermögen (schwarzer Krötenfisch) und besonders straken Reflexionen (schillernde
Barrakudaschuppen), denn diese Eckdaten sind im Belichtungsspektrum einer Kamera nicht vorgesehen. Mag das automatische Programm noch so raffiniert ausgelegt sein,
ohne Korrektureingabe durch den Fotografen gehen solche Aufnahmesituationen schief. Gleiches gilt für Sand. Hier sind aber die Bedingungen geradezu ambivalent.
Heller Sand veranlasst durch die schillernden Sonnenflecken, dass die Belichtungsmessung zur Unterbelichtung neigt, dunkler Sand bzw. dunkler Schlamm schlucken
hingegen Licht, was im Endeffekt aber auf dasselbe hinausläuft. Die Aufnahmen kommen im Prinzip alle etwas zu dunkel aus dem Entwicklungslabor. egal wie hell das
Umgebungslicht war. Selbst in einer Profikamera kann sich der Belichtungsmesser diesen Situationen nicht korrekt anpassen. Auch die Color - Matrix. - Messung einer
Nikon F5 muss hier kapitulieren. Digital fotografierende Taucher haben es etwas einfacher, weil sie im Gegensatz zu den analogen Verfechtern das gemachte Bild am
Monitor begutachten können und bei Bedarf entweder wiederholen oder korrigieren können. Vorbeugend lässt sich sagen, dass die Belichtung mit natürlichem
Tageslicht über einer sonnenbeschienenen Sandfläche zur Unterbelichtung neigt. Man sollte deshalb vorbeugend eine kleine Plus-Korrektur (+1/3 bis +2/3). Extrem
gleißende Sandflächen vertragen sogar +1 Blende. Wenn Sie dies nicht berücksichtigen, wird der Sand grau und nicht weiß abgelichtet. Das mag dem einen oder anderen
egal sein, es ist aber belichtungstechnisch falsch. Zur sichtbaren und störenden Unterbelichtung kommt es in diesem Fall generell, wenn ein dunkleres Motiv über dem
hellen Sand steht. Beispielsweise ein Fisch oder ein schwebender Taucher. Dann helfen nur noch eine Pluskorrektur oder Blitzlicht als Aufheller. Die vorstehenden
Zeilen gelten aber nur für Diafotografen und die Digitalfotografie. Wer mit Farbnegativ-Filmen fotografiert, hat weniger Probleme, weil dieses Filmmaterial die großen
Belichtungsunterschiede besser ausgleicht. Man muss auch berücksichtigen, dass die Unterbelichtungstendenzen über Sandgrund umso extremer werden, je flacher und klarer
das Wasser ist und je heller die Sonne scheint.
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