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Schiffstouren sind immer etwas Besonderes. Die Mobilität auf hoher See, die kurzen Wege zum Tauchen, oftmals besseres Essen als in den
Resorts an Land und ein innigeres Verhältnis zu den Tauchguides sind Argumente, die man sich gern etwas mehr kosten lässt. Herbert Frei war in einem Tauchgebiet,
das zu den besten der Welt gehört.
Das Meer vor Borneo ist ein biologisches Wunder. Hier liegt die bekannte Schildkröteninsel Sipadan mit ihren
beeindruckenden Fischschwärmen, den großen und vielzählig vertretenen Meeresschildkröten sowie den berühmtem Haien in der White-Tip-Avenue. Aber es gibt hier noch
andere Highlights, die weiter draußen liegen. Inseln und Riffe, die man nur mit einem großen Tauchschiff erreichen kann, wie der nach dem gleichnamigen Meer benannte
Celebes-Explorer. Die Celebes-Sea ist eine Gegend, wo Seezigeuner, Piraten und Rebellen für permanente Unruhe und Angst sorgen könnten, sofern man sie lassen
würde. Aber Malaysia hat dem einen Riegel vorgeschoben. Die militärische Präsenz in diesem Seegebiet ist so umfassend, dass man sich gelegentlich als Teilnehmer eines
großen Seemanövers fühlen darf. Nicht nervig, sondern vielmehr beruhigend. Die Rebellen der südlichen Philippinen, die, wann immer sich ihnen Gelegenheit bietet,
Menschen entführen, um hohe Lösegelder zu erpressen, mit denen dann moderne Waffen und Schnellboote gekauft werden — sind hier ohne echte Chance. Der malayische
Staatsführung hat aufgerüstet und Einheiten in diesen Landesteil verlegt, die mit allem kurzen Prozess machen, was sich ihnen in den Weg stellt. Ausgestattet mit
modernsten Kommunikationsmitteln, wird jeder fliegende Fisch registriert und überwacht. Die Fürsorge für Tauchtouristen geht sogar soweit, dass an Bord des Beibootes
immer ein Kämpfer mit Schnellfeuergewehr aufpasst. Ob nun notwendig oder nicht, ob übertrieben oder angemessen, so etwas wie mit den im Jahre 2000 entführten
Tauchtouristen — darunter die auf diese Weise bekannt gewordene deutsche Familie Wallert — soll und darf nie wieder vorkommen. Die Sicherheit der
Urlauber hat oberste Priorität. Eine Anweisung von ganz oben, die mehr als Ernst genommen wird und die uns voll überzeugt hat. In der Celebes-Sea kann man heute wieder
überall gefahrlos tauchen.
Auf hoher See
Tauchen von hochseetüchtigen Schiffen hat einen besonderen Stellenwert. Die Wege zur Tauchbasis sind
logischerweise eminent kurz, der Kontakt zur Besatzung fast innig, die Tauchguides sind immer greifbar, Briefing und Tauchgangplanung können effizient gehalten werden,
An- und Ausziehen geschieht auf sauberem Boden, Kameraschleppen hält sich in Grenzen und der Equipmentaufbau ist eine Sache von kurzen Augenblicken. Wer das genussvoll
über sich ergehen lassen kann, ist normalerweise für umständliche Landtauchgänge kaum mehr zu gewinnen. Mit einem Tauchkreuzfahrtschiff, im Fachjargon auch
Liveaboard genannt, kommt man in kürzester Zeit an entlegene Stellen im Meer, die sonst nur sehr umständlich und nach längerer Fahrt auf unbequemen Schnellbooten
erreichbar sind. Wetterumschwünge macht man mit Ausweichmanövern wett. Die Flexibilität ist unerreicht. Andererseits kann man nach Absprache auch mal an einsamen
Top-Spots länger bleiben, wenn dort die Motive fotogen und vielseitig sind. Schiffstouren haben indes eine individuelle Charakteristik sowie eigene Regeln und
Gesetze, die unbedingt eingehalten werden müssen. Wer sich nicht daran halten kann oder will, sollte von Land aus tauchen. Nur verträgliche Menschen, denen Toleranz
viel bedeutet und die auch mal zurückstecken können, ohne gleich tagelang beleidigt zu sein, sind für längere Törns geeignet. Ein einziger Querulant oder Miesepeter
kann die ganze Stimmung verderben und den Mitfahrenden den sauer verdienten Urlaub zur Hölle machen. Sofern man nichts dagegen unternimmt. Prüfen Sie sich deshalb
unvoreingenommen selbst, zu welche Kategorie von Mensch Sie gehören. Und ob Sie wirklich in der Lage sind, mit anderen Individuen ein oder zwei Wochen auf engstem Raum
zusammenzuleben. Sie tun sich auch selbst keinen Gefallen, wenn Sie an allem Herumnölen, die Schiffsküche kritisieren und die Kabine zu eng finden. Notorisch seekranke
Menschen, denen schon schlecht wird, wenn Sie an der Hafenmauer auf dümpelnde Schiffe hinausschauen, sollten sich ebenfalls ehrlich fragen, ob ein Inselurlaub mit
schönem Hausriff nicht die vernünftigere Alternative wäre.
Was wird aus Sipadan? Die Gerüchte sind da und sie werden realer. Ende 2004 soll es
endgültig soweit sein. Malaysia schließt Sipadan auf unbestimmte Zeit. Die ersten Resorts, darunter das älteste und bekannteste (Borneo Divers) haben ihre Zelte
angeblich bereits abgebrochen und wandern peu a peu zur Nachbarinsel Mabul. Somit bleibt wohl in Zukunft für Sipadan - Tauchgänge nur der Weg von Mabul im Schnellboot
übers Meer oder als Urlauber eines Tauchkreuzfahrtschiffes. Insofern gewinnt ein Tauchurlaub auf der Celebes-Explorer an Wertigkeit, weil er eine der wenigen
Möglichkeiten darstellt, die Groß- und Schwarmfische der Schildkröteninsel zu sehen. Weshalb soll Sipadan geschlossen werden? Angeblich kann die kleine Insel den
Fäkalienanfall durch das ausufernde Einströmen von Kurz- und Langzeiturlaubern nicht mehr verkraften. Da könnte was dran sein, denn wöchentlich überschwemmen Hongkong
- Chinesen und Japaner das Eiland wie eine kleine Sintflut. Organischer und anorganischer Abfall streiten um die Vorherrschaft, für die wenigen einheimischen Tiere
bleibt immer weniger Raum. Und auch die Schildkröten werden trotz intensiver Schutzmaßnahmen unabsichtlich oft mehr belästigt wie eigentlich zumutbar wäre. Ob
durch das Schließen von Sipadan auch die Unterwasserwelt gewinnen wird, und sich stellenweise erholen kann, wird allerdings von Ortskundigen nachhaltig bezweifelt.
Denn wenn Sipadan an Land zur menschenfreien Zone erklärt wird, dürfte der Run auf die Insel von Mabul und von den Tauchkreuzschiffen aus, enorm zunehmen. Schließlich
liegen hier die wohl faszinierendsten und spannendsten Tauchgründe der gesamten Celebes-See. Ob Sipadan Ende 2004 aber wirklich für alle Besucher definitiv
geschlossen wird, steht vermutlich noch aus, denn einige Resorts haben bereits Klage beim Malayischen Gerichtshof eingereicht, weil ihre nicht unbeträchtlichen
Investitionen sonst in den Sand gesetzt worden wären.
Tauchgründe
Auf einer Insel sitzt man fest. Mit einem Tauchschiff ist man mobil. Auf diesen
einfachen Nenner kann man die Vorzüge eines Liveaboards bringen. Die Celebes-Explorer kreuzt vor Borneo, steuert Sipadan und alle im Rahmen einer einwöchigen
Kreuzfahrt erreichbaren Inseln der Celebs-See an. Das sind nicht wenige und man hat als Taucher zu tun, alles geistig aufzunehmen, was einem an Tauchplätzen
präsentiert wird. Die Gäste der Celbes-Explorer haben zwar ein weitgehendes Mitspracherecht am Aufsuchen der Tauchgründe, doch sollte man sich nicht zu sehr verzetteln
und auch nicht zu lange an manchen Orten verweilen, sonst schafft man das anvisierte Programm nicht.
Sipadan
Möglicherweise kann dieses Eiland in
Zukunft nur noch vom Schiff aus besucht werden. Weil aber Sipadan zu den besten Tauchgründen der Welt zählt, sollte man mindestens 2, eher aber mehr Tage hier
verweilen. Die Insel gibt unheimlich viel her, ist ein Großfischdorado - manche haben hier schon 100 Hammerhaie auf einem Fleck gesehen - und ein Makroparadies. Das
Erkunden der diversen Lokalitäten von See aus wird immer wieder zu einem besonderen Erlebnis. So sind entgegen aller Prognosen und Vermutungen die Korallen am
South-Point noch top erhalten. Man muss nur etwas in die Flachzone schwimmen, dann tun sich paradiesische Panoramen auf mit Korallengärten wie vor dreißig Jahren.
Interessanterweise macht das kaum ein Taucher, weil alle im Freiwasser auf Räuber und Schwärme fixiert sind. UW - Fotografen mit Weitwinkelambitionen sollten sich mal
etwas von der Gruppe absetzen um im Flachen (3-4 m Tiefe) nach UW - Landschaften Ausschau halten. Fototipps
Sipadan ist Weitwinkel-
und Makrowelt, aber kurze Brennweiten einschließlich der Fishey Objektive sollten vorzugsweise aufgesetzt werden. Nirgendwo auf der gesamten Tauchtour sieht man
solche Steilabfälle, Gorgonien, Schwarmfische und Haie. Hier vor Sipadan gelingen auch die besten Taucherbilder; einfach, weil alles größer, gewaltiger und mächtiger
ist. Fotografen mit digitalen Kompaktkameras sollten sich um einen Weitwinkelvorsatz bemühen, wenn diese Reise ansteht. Es wäre doch schade, wenn Sie vom großen
Makrelenschwarm nur einen Ausschnitt mit dem Kamerazoom fotografieren könnten.
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