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Man hatte mir gesagt, dass sie groß sei, wirklich groß, elegant und auch luxuriös. Man hatte mir Bilder geschickt, beeindruckende
Hochglanzfotos. Man hatte mich neugierig gemacht und so machte ich mich auf den Weg nach Marsa Alam um ihr persönlich zu begegnen, mit ihr gemeinsam eine Woche im
Süden des Roten Meers zu verbringen. Und das erste Mal stellte ich mir vor Abreise die für einen Taucher ungewöhnliche Frage: Was ziehe ich an um ihrer Ausstrahlung
gerecht zu werden? Aber es kam wie im wirklichen Leben, wahre Größe zeigt sich durch Understatement und die Seven7Seas nahm mich auch ohne Dinnerjacket mit.
Vier Stunden, diese so oft in der Luft verbrachten 4 Stunden, die die Entfernung von München nach Marsa Alam in Ägypten messbar aber nicht begreiflich machen,
liegen hinter mir. Der Guide holt mich am Flughafen ab. Jeans und Sandalen kleiden den hageren Mann, dessen Tonfall die Berliner Herkunft sanft erkennen lässt,
keine dunkelblaue Uniform mit Goldknöpfen, ich bin erleichtert. Als Tauchlehrer und Guide arbeitet er für die Gäste sichtbar auf der Seven7Seas, in Abwesenheit des
verantwortlichen Eigners Wolfgang May kümmert er sich im Hintergrund außerdem um die Koordination aller Aufgaben der 13-köpfigen Besatzung. Während wir noch auf zwei
weitere Gäste warten bleibt Zeit für eine erste Recherche dessen, auf was ich mich in den nächsten Tagen einstellen darf. Wolfgang May wird mit zwei weiteren Gästen
aus Hurghada kommend am Spätnachmittag ankommen, am nächsten Morgen werden wir dann ablegen und nach kurzer Fahrt bei Abu Dabab den ersten Tauchgang machen. Es werden
nur 10 Gäste an Bord sein, also eine Belegung zu 50 Prozent, denn es gibt keine Flüge mehr. Ägypten ist aktuell gut gebucht, aber nicht allein von tauchenden
Urlaubern, wie ich selbst feststellen konnte. Es findet mehr und mehr ein alternativ esoterisches Publikum mit Hang zu demonstrativem Rohkostgenuss in die eng
bestuhlten Sitzreihen, eben jene, die einst mit verschleiertem Blick Töpferkurse in der Toskana belegt hatten. Und wenn früher der Zigarettenqualm vom Nachbarsitz
störte sind es jetzt die fein zerstäubten Duftstoffe roher Gurken oder anderer Gemüse, die während des Flugs ununterbrochen geknackt und zermalmt werden, die auf Dauer
meinen inneren Frieden aus dem Gleichgewicht bringen...
Nur wenige Minuten dauert die Fahrt im Kleinbus bis zum Hafen von Port Ghalib, der am Reißbrett geplanten kleinen Stadt am Meer, deren erste fertiggestellte Bauten den pittoresken Charme der gesamten Anlage bereits ahnen lassen. „Taking the Lead“, ist das Motto der Seven7Seas und das bestätigt sich schon beim ersten Sichtkontakt. Mächtig überragt sie die neben ihr vertäuten Safariboote, die bis vor kurzer Zeit noch den gehobenen Standard der Liveaboards repräsentierten. Die in einer führenden Werft in Alexandria in nur 9 Monaten gebaute Seven/Seas, hat mit ihrem Erscheinen klar die Führung übernommen. Später wird mir Wolfgang May, der vor vielen Jahren die ersten Tauchdestinationen auf den Malediven aufbaute und entsprechend auch im Roten Meer von Anfang an dabei war, also ein absoluter Pionier des Tauchtourismus, erzählen, wie es überhaupt dazu kam, dieses Schiff zu bauen. Und nun stehe ich vor dem nagelneuen schwimmenden Hotel und bin neugierig auf das, was sich anders darstellen wird, als auf den Safari-Klassikern.
Rundgang
Sie hat Größe, überall. Schon die Plattform ist so geräumig, dass alle Tauchgäste zum Absprung bereit auf ihr stehen könnten, ohne sich
zu behindern. Und dann, die paar Stufen hinauf zum Tauchdeck, eine weitere Demonstration idealer Entfaltungsmöglichkeiten. Nicht dicht an dicht sind die Tauchflaschen
an den Lehnen sicher von breiten Kunststoffklammern gehalten, selbst mit montiertem Jacket ist der Abstand zum Platz des nächsten Tauchgasts einzigartig. Unter den
Bänken sind Fächer für Zubehör von der Maske bis zum Füßling, zwischen den Rücklehnen finden sich Einschübe für die Flossen. Man verzichtet auf die weltweit auf Basen
und Booten üblichen und immer zu klein bemessenen Kunststoffkörbe für das Tauchequipment, so hat man mit den durchdachten, festen Einbauten mehr Platz und auch eine
wesentlich elegantere Optik auf dem Tauchdeck. Zwei Süßwasserbecken zum Spülen der ABC-Ausrüstung und Computer sowie von Kameras stehen zur Verfügung, daneben
reichlich Ablagefläche um etwa Gehäuse abzutrocknen, bevor sie in die Kabine gebracht werden. Hinter einer Tür ist die Ladestation für Handlampen und Videoleuchten
eingerichtet. Ablagefächer für Sonnenbrillen, Uhren und dergleichen, was man nicht zum Tauchgang mitnehmen möchte sind reichlich vorhanden, an Haken hängen die
Badetücher. Anzüge trocknen an einem Edelstahlgestell mit festen Bügeln, wer einen halbtrockenen oder trockenen Anzug mit Halsmanschette und Rückeneinstieg benutzt,
sollte sich einen Bügel mitbringen. Jacket und Regler bleiben während der Reise am Gerät. Gefüllt wird am Platz, entweder normale Pressluft oder Nitrox 32 for free.
Zwei Duschen gibt es auf der Plattform und zwei Toiletten im Stil gehobener Beherbergungsbetriebe auf dem Tauchdeck.
Den Begrüßungscocktail gibt es an der
Bar im Salon. Maledivenflair berührt für einen Moment die Sinne. Umsehen, auf mich wirken lassen. Aus der Bose – Musikanlage zieht leise Musik durch den Raum. In
Vitrinen links und rechts des Eingangs sind Merchandisingartikel, Beispiele des Ausrüstungsverleih und einige besondere Fundstücke aus Wracks ausgestellt. Entlang der
Wände sind Sitzbänke mit hellen Stoffbezügen, Tischchen und Sitzwürfel in den Raum integriert. CD`s, DVD`s und Bücher kann man sich hier ausleihen, seine digitalen
Fotos auf einem Laptop zwischenspeichern und am Ende der Reise auf CD brennen sowie seine Videoaufnahmen, digitalen Fotos oder DVD`s auf dem 106 cm Plasmaschirm
ansehen. Die Bar ist mit poliertem schwarzen Granit belegt. Durch große Fenster, die spiegelblank geputzt sind, flutet das Licht in den Raum. Hier könnte man einen
Empfang geben für 40, 50 Gäste und niemand würde sich beengt fühlen. Man stellt uns Moni vor, die als Guide und Tauchlehrerin an Bord ist, eine agile junge
Münchnerin mit umfangreicher Erfahrung in den Tauchgebieten des Roten Meers. Sie wird in dieser Woche die Tauchgang - Briefings machen während und über die Abläufe an
Bord informieren. Der Rundgang führt uns weiter ins Restaurant, das sich an den Salon anschließt. Wasser, heiß oder kalt, Eistee und Saft kann man sich hier rund um
die Uhr holen, Teebeutel, Pulverkaffee, alles ist angeboten, nicht zu vergessen die süßen Pausensnacks für den kleinen Hunger zwischendurch, den es aber praktisch
nicht gibt. Sympathisch ist das große Fenster zur angrenzenden Küche. Sauber blinkender Edelstahl markiert das Reich von Chefkoch Hamed Abdu Chaled, dem zwei
weitere Hilfen zur Seite stehen und deren Arbeit man stets beobachten kann. Diese Offenheit ist im Orient bemerkenswert. Manchmal wird dort auch gezaubert, wofür die
gastronomische Fachkenntnis von Wolfgang May verantwortlich ist, dessen eigentliche berufliche Grundlage im Hotelleriegewerbe angesiedelt ist und der Hamed Abdu Chaled
in viele Geheimnisse westeuropäischer Kochkunst einweihte. Sensationell – sein Vitello Tonnato oder Tafelspitz mit Meerrettichsoße..... Ach ja, wundern Sie sich
nicht, wenn Sie der Chekoch oder ein Mitglied der Besatzung mit „Servus“ begrüßen wird. Die Ägypter sind stolz, wenn sie ihre Gäste mit ein paar Worten ihrer
Muttersprache überraschen können und was lag für einen Süddeutschen näher als diesen sowohl zur Begrüßung als auch zum Abschied passenden bayerischen Gruß zu lehren?
Gaumenfreuden
Zum Frühstück kann man sich Eier in allen Variationen ordern, sie werden immer frisch zubereitet. Das Büfett bietet alle
kulinarischen Stilrichtungen, die jeden Geschmack zufrieden stellen, vom Rohkostfreund bis zum Liebhaber eines deftigen Brunch. Mittag- und Abendessen
zeichnen eine große Auswahl an Vorspeisen (Spitzenklasse das Sushi) und Salaten, einer Suppe und mehrere warme Gerichte aus, wobei frisch gefangener Fisch oder
qualitativ ausgezeichnetes Rindfleisch aus Argentinien in den unterschiedlichsten Variationen zubereitet werden (vom Roastbeef bis zum Steak). Nudelgerichte, Reis und
Kartoffeln, Gemüse, auch Vegetarier kommen nicht zu kurz. Die Nachspeisen dürfen keinesfalls unerwähnt bleiben, Kuchen, Cremes, Obst, Käse... Einmal pro Woche wird
der Outdoor – Grill, nennen wir es die Barbecue – Lounge, auf dem Upperdeck, zum abendlichen Treffpunkt der Gäste. Auch hier muss man sich bei den
Vorspeisen im Zaum halten, damit der eigentliche Anlass, feinste Steaks oder genial gewürzte Hamburger noch mit Appetit den Gaumen erfreuen.
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