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Atemtechnik von SEACSUB ist nördlich der Alpen eher selten im Equipment von Tauchern zu finden. Das 1971 gegründete Unternehmen mit Sitz
nahe bei Rapallo an der Ligurischen Küste, setzt auf höchste Qualitätsansprüche und weltweite Kommunikation mit ihren Kunden, um auf spezifische Wünsche oder
Optimierungsvorschläge reagieren zu können. Der Atemregler X10 ist aktuell das Highend – Produkt im SEAC Reglerangebot. Er musste sich einem harten Test
unterziehen.
Auch dieser Winter hält sich ausgesprochen lang und unser Haussee in Tirol, in dem wir die meisten Outdoortests machen, hat immer noch eine
dicke Eisschicht. Obwohl wir nicht den mit einem speziellen Eiskit an der 1. Stufe aufgerüsteten X-10 ICE zum Test erhalten haben, auf Anhieb erkennbar am blauen Ring
an der 2. Stufe, sondern den normalen X-10, der ebenfalls eine Kaltwasser – Zertifizierung hat, wagen wir den Extremtest unter Eis. Zusammen mit der
Wasserrettung Kufstein tauchen wir ab und lassen die ins 20 Zentimeter dicke Eis geschnittenen Öffnungen weit über uns. Im 4° C kalten Wasser zeigen Atemregler
rasch, ob sie sich nicht nur unter Laborbedingungen bewähren, sondern auf die harte Realität ebenso gelassen reagieren. Unter diesen Bedingungen werden Atemreglern
Höchstleistungen abgefordert. Die Atemluft wird bei der ersten Druckminderung in der ersten Stufe durch die Expansionskälte auf deutlich unter 0° C abgekühlt, und auch
die folgende Druckminderung in der 2. Stufe verhält sich abkühlend. Und wie man mittlerweile weiß, verantworten Vereisungen der 2. Stufe das Problem des
unkontrollierten Dauerluftstroms. Um die geringe Wärme des umgebenden Wassers und die Wärme der Ausatemluft als „Frostschutz“ nutzen zu können, sind viele zweite
Stufen kaltwassertauglicher Regler aus Metall. Man nutzt hier die guten Wärmeleiteigenschaften. Normale Kunststoffe leiten Wärme deutlich schlechter, deshalb muss hier
grundsätzlich ein besonderer Materialmix verwendet werden, um die thermischen Eigenschaften zu verbessern und Kaltwassertauglichkeit zu gewährleisten. Und dieser
innovative Materialmix mit Einlagerung von Metallpartikeln findet sich in allen 2. Stufen des X-10.
Technik
Bleiben wir bei der Technik des SEAC
X-10. Die 1. Stufe ist kompensiert membrangesteuert. Diese Technik ist gerade für Tauchgänge im Kaltwasser oder auch in sedimentreicher Umgebung vorteilhaft, da hier
im Gegensatz zu kolbengesteuerten Stufen die Kammer zur Druckminderung trocken – und sauber bleibt. Die Kompensierung garantiert eine absolut gleichbleibende
Luftlieferleistung auch in größerer Tiefe oder bei fallendem Flaschendruck. Ein asymmetrischer Hebel erlaubt die vollständige Öffnung des Ventils, was zur
Leistungsoptimierung bei tiefen Tauchgängen führt. Zwei der 4 Mitteldruckabgänge sind im Winkel von 30° zum Taucher hin ausgerichtet, das verbessert die
Schlauchführung des Hauptreglers und des Inflatorschlauchs deutlich. Unterhalb der Mitteldruckabgänge sind beidseitig noch zwei Hochdruckanschlüsse in das geschmiedete
und dick verchromte Messinggehäuse eingearbeitet. Das DIN – Gewinde ist von einem kräftigen Kunststoff – Rändel eingefasst und lässt sich gut greifen.
Statt der gewohnten Mitteldruckschläuche aus Gummi, verbinden so genannte Hiflex – Schläuche die Atemtechnik. Sie sind wesentlich flexibler und auch leichter,
was sich positiv auf den Tragekomfort der 2. Stufe auswirkt. Der Schlauchanschluss an der 2. Stufe ist drehbar, ein weiterer Pluspunkt in Sachen Annehmlichkeit. Über
einen kleinen Hebel wird der Venturieffekt eingestellt, der gleichzeitig eine Predive / Dive Funktion erfüllt. In Predive wird das Abblasen einer unbenutzten Stufe
(Octopus) unterbunden. Groß und griffig ist die OWS Frontkappe aus Gummi gestaltet. Die geschlitzten Öffnungen verhindern, dass der Druck der Wasserströmung auf den
Regler ein Abblasen provoziert. Unsichtbar aber gut zu wissen, sollte der Frontdeckel aus irgendeinem Grunde verloren gehen, da müsste allerdings auch der metallene
Frontring seinen Abschied genommen haben, bleibt der Regler weiter funktionstüchtig, da die Einatemmembran unabhängig gesichert ist. Und die großflächig oval geformte
Ausatemmembran ist ebenso wirksam gesichert über ein entsprechendes Design innerhalb des Blasenabweisers. Der Form der Ausatemkanäle hat man erstaunliche
Aufmerksamkeit geschenkt, den Luftstrom wirklich am Gesichtsfeld des Tauchers vorbeizuleiten. Eine der Kinnpartie angepasste Vertiefung im Blasenabweiser schafft ein
weiteres Komfortplus wie auch das orthodont geformte, weiche Silikonmundstück, das der Mehrzahl aller User gerecht werden dürfte. Mit 0,70 Joule pro Liter ist die
Gesamtatemarbeit nach EN ein außerordentlich bemerkenswerter Fakt, denn damit reiht sich der SEAC X-10 in die Riege der Hochleistungsregler des Wettbewerbs ein.
Und noch ein Wort zum italienischen Design, es ist schick aber unauffällig, fast ein wenig zu viel Understatement.
Praxis
Ein wenig haben wir
Ihnen ja schon den Mund wässrig gemacht. Wie hat sich nun der Regler aus Ligurien, einer Umgebung, die von Palmen und dem Mittelmeer geprägt ist, in der Kälte
verhalten? Kurze Antwort: Einfach cool. Jede Luftanforderung arbeitet der X-10 in jeder Tiefe unserer Testtauchgänge einwandfrei und unangestrengt ab, ein
weicher Luftfluss, ein angenehmes Atemverhalten gestaltete die Einsätze im 4° C kalten Wasser vorbehaltlos angenehm. Der Sitz der 2. Stufe im Mund ist bequem, das
Mundstück gefällt ob des ermüdungsfreien Tragekomforts. Die Sicht bleibt blasenfrei und der flexible Mitteldruckschlauch erzeugt auch keine Gegenkraft bei Drehung des
Kopfes. Der Venturihebel könnte etwas deutlicher gestaltet sein, Finger in dicken Handschuhen müssten da ein wenig fummeln. Und eine zuletzt auch noch
provozierte Unterkühlung der 2. Stufe auf dem Eis des Sees und probehalber betätigter Luftdusche im Wasser brachte keinen Protest der Technik auf den Plan.
Fazit
Mit dem X-10 Atemregler hat SEACSUB ein Paradepferd im Stall, das uns auf Anhieb unter extremen Bedingungen beeindruckte. Wer sich die Highend
– Lösungen des Wettbewerbs nicht leisten kann, wird mit dem X-10 sehr gut bedient – und – man zeigt Individualität, denn nördlich der Alpen ist SEAC
– Atemtechnik noch nicht so oft zu sehen.
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