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Sag niemals nie. Die mittlerweile in allen Facetten und Konstruktionsansätzen erteilten Patente für Taucherantriebe ließen der Vermutung
weiten Raum, dass es kaum mehr möglich sei, nochmals ein völlig neues Flossenkonzept mit erstaunlichen Eigenschaften zu entwickeln. Weit gefehlt, SCUBAPRO legt sich
aktuell ins Zeug und präsentiert die Seawing Nova, im futuristischen Design, der Natur abgeschaut und unbestreitbar antriebsstark.
Hat man die Jetfin
– Idee wieder aufgegriffen, die Flossen mit einem Durchströmungskanal zwischen Fußteil und Flossenblatt kennzeichnet? Nach einer Testreihe der US – Navy,
bei der vor Jahren die Jetfin – Flossen ihres Nimbus beraubt worden waren, besondere Effizienz beim Vortrieb zu haben, gab es nur noch für einen kleinen Kern
standhaft emotional veranlagter User, dazu gehören viele Tech – Taucher, Jetfin – Modelle zu kaufen. Wenn man die Namenserweiterung „nova“
– also „neu“ – für ein Produkt wählt, weist man damit sinnvollerweise auf einen erfolgreichen Vorgänger hin. Und eine Seawing – Flosse gab
es tatsächlich schon von SCUBAPRO, mit Ansätzen der heutigen Technologie. So erkennt man eine angedeutete Trennung von Fußteil und Flossenblatt, die allerdings
Jetfin – Kanäle simulieren und dazu eine dreisegmentige Zahnung an den beiden zentralen Verbindungsstegen zeigen, die jedoch nur in weit geringerem Maß flexibel
reagieren, wie beim aktuellen Tauchantrieb. Der Kunststoff, aus dem das farbig transparente Flossenblatt gefertigt war, hatte man Hyperthane getauft. In der Summe war
die Seawing nicht nur ein Hingucker aufgrund des eigenständigen Designs, sie war auch weit verbreitet und konnte mit der brettharten „Gorilla“ , der Hardliner
– Version im schwarzen Look, auch jene zufrieden stellen, die sich gerne im Spannungsfeld eines drohenden Wadenkrampfes durchs Riff schoben. Ich selbst tauchte
die klassische Seawing einige Jahre und erlebe nun ein Art Zeitreise. Der Seawing „klassik“ wie „nova“ gleich ist das vom Fußteil ausgehend leicht nach
unten abgewinkelte Flossenblatt und ein im Windkanal geprägtes Design. Allerdings, das sei vorausgeschickt, Flügel verleiht die Seawing Nova nur trainierten Waden, wie
es Technikredakteurin Ilka Weber schon im Statement des Testvideos formuliert und dem kann ich im Grunde nur beipflichten.
Technik Beim bloßen Ansehen meint man, dass SCUBAPRO die Technik des Durchströmungskanals wiederbelebt hat, jedoch, der Eindruck
täuscht. Der Spalt zwischen Fußteil und Flossenblatt hat bei der Seawing Nova andere Aufgaben zugewiesen bekommen, er macht Platz für ein Gelenk, die Powerrippen.
Damit werden Fußteil und Flossenblatt als klassische Einheit voneinander abgekoppelt mit dem Ziel, ab einem bestimmten Druck auf das Flossenblatt, also beim Erhöhen
der Geschwindigkeit, den Beinschlag dynamisch zu unterstützen. Je höher die vom Taucher angelegte Kraft, desto stärker reagiert das Flossenblatt mit deutlichem
Ausschlag, wobei dessen Powerrippen anatomisch dem Vorbild der Schwanzflossen großer Meeressäuger folgen. Durch den Spalt am Blattansatz kann das Wasser, je nach
Ausschlag nach oben oder unten verdrängt, ohne Stau abgeleitet werden. Deutliche Kanäle an den Ober- und Unterseiten, gebildet aus sich zur Flossenspitze hin
verjüngenden Rippen, unterstützen die geradlinige Führung des Wasserstroms. Und ähnlich zu den Tragflügeln moderner Jets sind die Flossenränder zum Abschluss hin
deutlich nach oben gebogen. Eine vor der Flossenspitze mit Führungskanal eingearbeitete ovale Öffnung verhindert Verwirbelungen, die sonst bei flottem Tempo durch den
Strömungsabriss auftreten könnten, Vortriebsverlust und Einbußen bei der geradlinigen Fortbewegung werden so vermieden. Das Fußteil der Seawing Nova ist an der
Sohle gut 5 Zentimeter länger, als bei ihrer Vorgängerin, damit schafft man eine größere Fläche zur Kraftübertragung, ein Prinzip, mit dem aktuell auch ein
Wettbewerbsprodukt aus Italien zum Teil sein Finetuning gestaltete. Seitlich vom Zehenbereich des Fußteils setzen sich parallel kleine „Tragflächen“ ab, auch
so ein kleines Detail unterstützt die Wirkung des Antriebs. Die Außenseite der Flossensohle erscheint auf den ersten Blick nicht sonderlich strukturiert, um auf
Geröll oder Fels ein wenig dem Abrutschen Paroli bieten zu können, lediglich ein tief eingeschnittenes S, das Wahrzeichen von SCUBAPRO, bewirbt sich zentral als
„Haltmacher“ . Jedoch, an den Rändern der Sohle sind ergänzend halbmondförmige Elemente platziert, die den Grip unterstützen. Schon auf den ersten Blick
lobenswert ist die große Entwässerungsöffnung, die das Ansaugen des Fußteils und entsprechende Beschwernis beim Ausziehen der Seawing Nova ausschließen soll.
Springstraps für jedermann, so könnte man das Flossenband – Konzept umschreiben. Die Idee ist gut, das Fersenband muss nicht angepasst werden. Es ist so
elastisch, dass genügend Spielraum gegeben ist, das Springstrap – Fersenband ohne Mühe überzustreifen, bei gleichzeitig sicherem Sitz am Fuß über den gesamten
Tauchgang durch alle Tiefen. Groß dimensioniert ist die Anziehhilfe für das Flossenband, eine dreieckige Öse aus Gummi, in die auch ein Finger im dicksten Handschuh
passt. In drehbaren Schnallen aus ABS – Kunststoff st das Fersenband am Fußteil befestigt. Nun muss nur noch ein Wort über das Flossenmaterial gesagt werden.
Es hat seine Wurzeln in der Weltraumtechnologie und heißt „Monoprene“. Wer es genauer wissen möchte, es handelt sich dabei um eine Mischung aus Polymeren und
Thermoplastik. (Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Polymer und http://de.wikipedia.org/wiki/Thermoplast )
Praxis
Wie beschreibt
Technikredakteurin Ilka Weber den ersten Eindruck von der Seawing Nova: „ Eine kraftvolle Flosse mit großer Antriebsfläche,... die trainierte Waden abverlangt “ (zum Video) Doch der Reihe nach. Dass das Auge vom Design der Seawing Nova angesprochen wird, pro
oder contra, steht wohl außer Zweifel. Mit der Seawing Nova am Fuß zählt man nicht zu den Mauerblümchen. Das Anziehen ist ein rasch erledigter Vorgang, die Gestaltung
der Springstraps spricht für sich. Gleiches gilt für das Ausziehen der Flosse, zusätzlich unterstützt von der großen Entwässerungsöffnung. Das Antriebsgefühl ist
deutlich zweigeteilt. Im Spargang meint man fast eine Splitfin zu tragen, gibt man Gas, dann powert die Seawing Nova voran, im Zwiegespräch mit dem Trainingszustand
des Users. Die Waden sind in die Kommunikation einbezogen und sollten deshalb übers Jahr auch etwas trainiert sein, um die Power der Flossen ohne Reue genießen zu
können. Ein Tipp für den aktiven Gebrauch: Die Seawing Nova entwickelt schon im moderaten Vortrieb eine so gebündelte Weiterleitung des Wassers vom
Flossenblatt weg, dass man vom Grund etwas größeren Abstand halten sollte, um Sedimentaufwirbelungen zu vermeiden. Wie bei einem Ferrari, mit dem fährt man auch nicht
mit forcierter Geschwindigkeit über einen unbefestigten Feldweg. Die Gewichtsbilanz ist hinsichtlich der Mitnahme im Fluggepäck positiv zu bewerten.
Fazit
Trotz allem funktionalen Design, die Seawing Nova hat ihre Ecken und Kanten. Und das verleiht ihr Charakter. Eine spannende Flosse, ein
herausfordernder Antrieb. Kein Waschlappen, auf Anhieb kein Kompromiss für Jedermann, mit etwas Training aber dann richtig verlockend. Eins hat ihre Vorgängerin nach
wie vor im Plus: Die damals trendige Farbauswahl. Die Seawing Nova beschränkt sich auf schlichtes Schwarz.
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