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Um Gewicht bei Flugreisen zu sparen, steigen viele UW-Fotografen beim Neukauf einer Fotogerätschaft mit einem Zoom ein. Die meisten
Kameras werden ohnehin nur noch im Set mit einem Varioobjektiv verkauft. Schließlich will man in bestimmten Situationen flexibel agieren können. Herbert Frei
beschreibt ein Zoomobjektiv, das im Nah- und Makrobereich unter Wasser eine Revolution eingeleitet hat.
Amerikanische UW-Fotografen waren die ersten, die
sich bereits 1999 dieses Objektives annahmen. Fragt man Fred Bavendam, den weltbekannten UW-Lichtbildner, so hat dieses Makrozoom seine Arbeit entscheidend verändert
und seine Fischaufnahmen nachhaltig geprägt. Variabilität ist in der heutigen Zeit auch für einen Profi entscheidend. Nur das besondere Bild hat noch Chancen
veröffentlicht zu werden. Kann ein Schnappschuss nutzlos verstreichen, bedeutet das für Fotografen, die mit UW-Aufnahmen Geld verdienen, eine messbare Einbuße. In
Europa hat diese Optik in der Tauchszene eigenartigerweise nur bei Insidern Anklang gefunden. Mögliche Ursachen sind eventuell in einer historisch bedingten Ablehnung
(Festbrennweiten sind besser als Zoomobjektive) zu suchen. Und auch der nicht mehr aufzuhaltende Trend zur digitalen SLR wird diesem Zoom und seinen Leistungen nicht
gerecht. Das AF Micro-Nikkor 70-180 mm wird von tauchenden Weltenbummlern und Vielreisenden immer als eines von zwei Universalobjektiven hergenommen. Zusammen mit dem
17-35 mm Nikkor - Zoom oder eines äquivalenten Sigma - Varioobjektives reist es sich bequem. Man benötigt nur zwei Optiken und zwei Ports. Damit kann man mehr als 90%
aller anfallenden UW-Fotoarbeiten erfolgreich und mit wenig Geräteaufwand erledigen. Variabel zu sein, ist das Gebot der Stunde. Insbesondere
bei Makroaufnahmen. Wer diese Kategorie voll ausnutzt, muss sich mit einem 50-60 mm Makro ausrüsten, benötigt ebenso ein 90-105 mm Makro und für besondere Fälle ein
180-200 mm Telemakro oder neuerdings das 150 mm Telemakro von Sigma. Das sind vier Objektive, die entsprechend wiegen und ein gewisses Volumen einnehmen. Preislich
gesehen liegt man mit einer solchen Quadriga in einer Größenordnung von mindestens 2700 Euro (ca. Preis bei Sigma). Kauft man die Makroobjektive als Originale beim
Kamerahersteller Nikon (ein 150er gibt es dort aber nicht), werden daraus schnell 3000 Euro und mehr für drei Optiken. Dagegen ist das 70-180 mm Micro-Nikkor mit ca.
1300 Euro geradezu ein Schnäppchen. Vom umständlichen Hantieren, Umbauen und Anpassen einmal abgesehen, ist man mit drei oder vier Makroobjektiven alles andere als
flexibel. Selbst, wenn diese in vier verschiedenen UW-Gehäusen eingebaut wären, käme man an logistische Grenzen. Es sei denn, drei Assistenten würden das Equipment im
Windschatten hinterher tragen. Und auch dann bliebe der schnelle Wechsel auf diverse Brennweiten ein Handling- und Kommunikationsproblem. Ohnehin können so nur Profis
arbeiten. Hobby-, Urlaubs-, Gelegenheits- und ebenso Wettbewerbsfotografen besitzen erfahrungsgemäß selten mehr als eine oder zwei Fotoausrüstungen.
Vier auf einen Streich
Mit dem AF Micro-Nikkor 4,5-5,6/70-180 mm D ED schlägt man vier Fliegen mit einer Klappe, denn es ersetzt die vorstehend genannten
Makrobrennweiten von 60-180 mm, auch wenn die nutzbar kürzeste Brennweite mit 70 mm etwas länger ausfällt als die beim 60 mm Micro-Nikkor. In der Praxis ist das aber
unbedeutend. Der Gewinn liegt primär in der Brennweiten -Flexibilität, mit der man seine Trefferquote entscheidend nach oben erweitern kann. Bemerkenswert ist, dass
man die im UW-Einsatz nur selten verwendete 180 mm Brennweite häufiger benützt als man glaubt, weil die kürzeste Naheinstellung von 37 cm (beim 105-mm-Makro sind es 32
cm) über den gesamten Brennweitenbereich erhalten bleibt und deshalb durchgehend farbsatte und brillante Aufnahmen gestattet. Hierdurch ergeben sich dann auch
unterschiedliche Abbildungsmaßstäbe. Hinter einem Planglasport erreicht man unter Wasser bei 70 mm Brennweite die Maßstabsgröße 1:2,4 und bei 180 mm Brennweite
übertrifft man mit 1,023:1 immerhin, die natürliche Abbildungsgröße von 1:1 - wenn auch nur knapp. Derart variabel kann man im Nah- und Makrobereich mit keinem anderen
Objektiv agieren. Wem das noch nicht reicht, der kann das Makrozoom auch mit einem Telekonverter kombinieren, muss dann allerdings sichtbare optische Einbußen als
gegeben hinnehmen und außerdem auf den Autofokus verzichten. Dieser arbeitet nämlich störungsfrei an einer Nikon-SLR maximal bis zur Lichtstärke 1:6,2...und die läge
mit einem 2-fach Telekonverter mit 1:9 bis 1:11,2 deutlich über dem Limit. Praktische Erfahrungen haben zudem ergeben, dass selbst ein 105 mm Makro (Lichtstärke 1:2,8)
mit 2-fach Telekonverter hart an der AF-tauglichen Grenze arbeitet, obwohl es in dieser Kombination nur 1:5,6 sind. Widerstehen Sie also dem Versuch, das 70-180 mm
Makrozoom nur wegen der ominösen 2:1-Vergrößerung mit einem Telekonverter zu vergewaltigen. Die optischen Eigenschaften des langbrennweitigen
Micro-Zoom - Nikkors sind über alle Zweifel erhaben. Eine Vignettierung ist so gut wie nicht sichtbar, Schärfe und Kontrast sind angenehm hoch, eine Verzeichnung ist
nicht feststellbar, das Finish entspricht hohem Nikon-Niveau. Zu beachten ist, dass Sie beim Kauf des Makrozooms die Stativschelle werkseitig abnehmen lassen müssen,
weil man das Objektiv sonst nicht im UW-Gehäuse unterbringt. Man sollte das nicht selbst machen, denn die Demontage bedingt das Öffnen des Objektives. Die
notwendigerweise entstehende Lücke in der Fassung kann und sollte man wegen der Staubeinwirkung mit Tesaband abdecken. Wer es beim Nikon-Spezialisten Rene Aumann ( www.uw-fotoservice.de ) machen lässt, wird aufs Angenehmste überrascht. Aumann verschließt die
Stativschellenlücke so perfekt, als wäre dort nie ein Loch gewesen. Da das Telemakro nicht gerade klein gebaut ist und beim Fokussieren auf die großen
Abbildungsmaßstäbe eine beeindruckende Länge annimmt, ist entweder ein neuer Port oder eine entsprechende Portverlängerung erforderlich, ebenso ein Zahnring für die
Zoomübertragung. Gehäusehersteller, die dieses Objektiv noch nie eingebaut haben, sollten es deshalb vom Kunden anfordern.
Praxiserprobung
Was am
Küchentisch funktioniert und begeistert, muss sich im rauen Alltag noch lange nicht als gut erweisen. Auch beim Tele - Makrozoom bleibt am Anfang eine gesunde Portion
Skepsis, zumal man sich einige Filme einarbeiten muss, um das Gefühl für die unterschiedlichen Brennweiten zu bekommen. Nach dieser Phase des Kennenlernens ist man
dann in der Lage, frei schwimmende Korallenfische perfekt gestaltet ins Bild zu zoomen und Schnappschüsse zu machen, die mit einer Festbrennweite nicht oder nur mit
sehr viel Mühe und erheblichem Zeitaufwand zu realisieren gewesen wären. Insbesondere bei bewegten Motiven im Makrobereich sind sichtbare Qualitätssprünge bei der
Bildausbeute zu verzeichnen. Hat man sich auf das Makrozoom erst einmal eingearbeitet, wagt man sich auch an Motive, die vorher außerhalb der fotografischen
Möglichkeiten gelegen waren. Scheue Bewohner zoomt man sich formatfüllend ins Bild, versteckte Faunisten in Nischen und Spalten können einem fotografisch nicht mehr so
leicht entwischen, Röhrenaale haben augenscheinlich ihre Scheu verloren, zimperliche Stachelaustern klappen ihre Hälften erst zusammen, wenn das Bild im Kasten
ist. So schön sich das anhört, ist es auch, doch es gibt ein „Aber“! Der große Zoombereich verführt zum hemmungslosen optischen Heranholen, auch über große
Entfernungen. Und das dürfen Sie nicht machen. Nikons Wunderzoom unterliegt wie alle Brennweiten der selektiven Farbauslöschung, wenn die Motiventfernung zu groß wird.
Dann reicht das Blitzlicht nicht mehr für intensive Farben aus, die Objekte verschwimmen im Graublau. Wichtig ist deshalb, dass der Lichtweg beachtet wird, also
vom Blitzlicht zum Motiv und von dort zurück zum Film. Mehr als 1 m Objektdistanz sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Denn das wären schon 2 m Lichtweg.
Anzustreben ist aus physikalischen Gründen ein maximaler Lichtweg von etwa 1,2 m, besser noch man zieht die Grenze bei 0,9 bis 1m. Blitzt man dann noch mit einem
Amphibienblitz, dessen Kelvinzahl in der Nähe von 4500 liegt, werden die Aufnahmen farblich sehr angenehm. Systemblitzgeräte, die man mit dem Makrozoom natürlich
ebenso unbedenklich verwenden kann, sollten eventuell mit einem Warmtonfilter aufgerüstet werden, sofern man eine warme Farbgebung der etwas kälteren, aber
natürlicheren Wiedergabe vorzieht. Ganz wichtig: Schließen sie die Blende nicht zu weit. Bei mittleren Distanzen (0,6 bis 0,9 m) sollten Sie höchstens Blende 11
nehmen. Im Bereich 0,4 bis 0,6 geht auch Blende 16, wenn der Blitz eine UW-Leitzahl von mindestens 16 besitzt - also an Land 40 bis 45 bei ISO 100. Beim Systemblitz
mit Zoomreflektor können Sie die Überwasserleitzahl in Abhängigkeit der Brennweite aus der Bedienungsanleitung entnehmen. Weil der Frontport sehr
lang ausfällt, befinden sich Motive in der kürzesten Naheinstellung (37 cm ab Filmebene) nur unweit vor dem Frontglas, so dass es sich anbietet, mit einem etwas
verlängerten Blitzarm zu arbeiten, also mit drei statt zwei Gliedern. Dann hat man die Ausleuchtung etwas besser im Griff, muss auch nicht so frontal blitzen. Und
noch etwas ist zu beachten. Zoomt man die Objekte in den größten Abbildungsmaßstab, kommt es bei gleicher Blende zu einer Verkleinerung der Schärfentiefe. Bei
mittleren Blenden (5,6 bis 11) kann sich das insofern auswirken, dass bei einem Fisch die Augen aus der Schärfe fallen können. Eventuell sollte man beim Näherzoomen
die Blende um einen oder zwei Werte schließen, wenn es sich belichtungstechnisch machen lässt. Das Blitzgerät muss nämlich immer so stark sein, dass es dabei zu keiner
Unterbelichtung kommt.
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