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Weit im Norden von Nordsulawesi befindet sich Indonesiens nördlichste Provinz „Sangihe-Talaut“. Ein Gebiet, in dem keine Weißen
mehr leben, wo auch Pauschaltouristen nicht mehr hinkommen, Resorts so fremd wie das Innere Grönlands sind und der Besuch dieser abgeschiedenen Gegend nur im
Rahmen einer Explorertour möglich ist. Herbert Frei berichtet aus einer weitgehend unbekannten Gegend des Meeres, das sich nun den Tauchern langsam öffnet, aber noch
lange Zeit etwas Besonderes bleiben wird.
Die Landschaft von „Sangihe-Talaut“ besteht aus unzähligen Inseln, namenlosen Eilanden und bizarren Felsen,
die aus dem Meer ragen. Wegen seiner noch aktiven Vulkane wird das Gebiet auch „RING OF FIRE“ genannt. Eine Reise in diesen Teil von Indonesien ist ein Abenteuer
und gleicht einer Fahrt ans Ende der Welt. Wer den weiten Weg nicht scheut und Freude am Unbekannten und am Entdecken hat, taucht hier wie auf einem fremden Planeten.
Wassertemperaturen bis 30°C und das bei Sichtweiten von unglaublichen 60 m und mehr. Es ist das andere, das unbekannte und geheimnisvolle Indonesien. Eines, das man
vielleicht immer gesucht, aber nie gefunden hat. Die Unterwasserwelt ist urzeitlich und unberührt. Die gigantischen Röhrenschwämme sind 100 und mehr Jahre alt, die
Korallen haben noch nie einen Menschen gesehen. Wer sich ein bisschen Abenteuerlust und Entdeckerblut bewahrt hat, dem läuft angesichts dieser Tauchgründe ein Schauer
der Ehrfurcht aber auch des Stolzes über den Rücken. Hier ist möglich, was sonst nicht mehr geht... man ist der erste Mensch in diesem Teil der Unterwasserwelt. Kein
Vergleich mit der lauten und hektischen Karibik, keine Ähnlichkeit mit den frequentierten Riffen im Roten Meer. Man taucht allein und eigenverantwortlich nur mit
seiner Gruppe. Andere Tauchschiffe wie die Liburan gibt es nicht. Man spürt die Einsamkeit eines Entdeckers, aber auch das Risiko der Unwägbarkeiten.
Als Fremder in einer namenlosen Welt
Explorertouren sind nichts für Menschen, die alles vorgekaut haben wollen, wegen eines Insektenstiches hektisch nach
dem Chefarzt rufen und genau wissen wollen wo dieser oder jener Drachenkopf gerade liegt. Auch für die eine Entdeckerfahrt begleitenden Dive-Guides sind solche
Tauchgründe neu und unbekannt. Was einen erwartet, weiß man immer erst, wenn man abgetaucht ist. Auch jungfräuliche Riffe, wenn sie exponiert im Meer liegen, können
aussehen, als wären 1000 Taucher mit Bleiflossen darüber hinweggetrampelt. Nicht immer sind es die Reste vom Dynamitfischen. Häufig liegt die Ursache in heftigen
Stürmen, tiefem Wellengang und fetzigen Strömungen, die ganze Korallenwände in ihre Bestandteile zerlegen können. Auch mit diesen Tatsachen setzt man sich auf
einer Explorertour auseinander. Was weit entfernt ist, muss nicht notwendigerweise super sein. Nach einer Woche tauchen und suchen wollten wir schon aufgeben, haben es
dann aber nochmals an anderen Stellen versucht und endlich die erhofften Traum - Tauchgründe gefunden. Diese Erfahrung und Mühsal müssen Sie als möglicher Interessent
nun nicht mehr machen, weil die Route der guten Tauchplätze jetzt festliegt. Das spart Zeit. Was wir mühselig in 3 Wochen bei 3-4 Abstiegen pro Tag gesucht und
gefunden haben, können sie nun in Ruhe innerhalb von 10-14 Tagen in vollen Zügen genießen. Aber weiterhin haben Sie die Chance an vielen Riffen der Erste zu sein. Noch
haben wir erst an der Oberfläche dieser immer noch weißen Unterwasserlandschaft gekratzt. Wer eine solche Tour machen will, sollte in sich gehen und prüfen,
ob sein taucherisches Können dafür ausreicht. Weniger als 100 Tauchgänge sollte man nicht haben. Es muss darüber hinaus die Bereitschaft vorhanden sein, im
offenen Meer abzutauchen, damit die unterseeischen Tafelberge besucht werden können. Vieles an einer Explorertour ist unkalkulierbares Abenteuer. Bei Krankheit kann
man nicht sofort vom nächsten Flughafen in Richtung Heimat starten. Praktisch jeder hatte mal einige Tage Husten und Schnupfen. Was beim Einen kein Problem war, wuchs
beim Anderen zu einer psychischen Krise heran. Man will tauchen, aber es geht nicht. Dann sollte sich jeder prüfen, ob er dem Gruppenstress einer längeren Tour
gewachsen ist. Auch wenn ein Schiff groß ist, aus dem Wege kann man sich erfahrungsgemäß nicht immer gehen.
Fremde Individuen
Auf der
Explorertour besteht nach Absprache mit dem Kapitän und dem Tour-Guide die Möglichkeit von Landbesuchen, um die Dörfer der Eingeborenen zu besichtigen. Für einige
waren wir die ersten Weißen, die ersten Europäer sowieso. In vielen Siedlungen gibt es weder Strom noch Verbindungen zur Außenwelt. Mit kleinen Ausleger - Einbäumen
gehen die Einheimischen auf Fischfang, tauschen diesen gegen Reis. Obst und Gemüse kann man nur selten kaufen... es gibt einfach nichts. Kokosnüsse, eventuell Bananen,
manchmal eine Papaya sowie spinatartige Blätter kann man mit viel Glück auftreiben. Ein Problem ist die Verständigung. Im Gebiet von Sangihe-Talaut wird nicht mehr
indonesisch gesprochen, sondern ein Eingeborenen - Dialekt, den nur noch zwei der Diveguides verstanden, weil sie hier aufgewachsen sind. In Indonesien werden
schätzungsweise 800 Dialekte bzw. Sprachen gesprochen, was die Regierbarkeit des Landes erheblich erschwert. Beruhigend mag für Interessenten sein, dass der Norden
von Sulawesi und auch die Inselgruppe Sangihe-Talaut ausschließlich von Christen bewohnt wird. Moslemische Terroristen sind hier fremd. Was gäbe es auch zu bomben in
dieser fernen Einsamkeit?
Liburan
Sie ist zurzeit das einzige Liveaboard, das diese Explorertouren anbietet. Rudi Rings alte Liburan ist verkauft
und umbenannt. Damit wäre eine derartige Riese schon wegen der begrenzten Wasservorräte nicht möglich gewesen. Die neue Liburan ist deutlich länger und breiter,
verfügt über mehr Stauraum, größere Kabinen, und besitzt je Schlafraum eine Toilette mit Dusche und Klimaanlage. Eine Wasserentsalzungsanlage liefert permanent
Süßwasser. Die Nitrox - Füllanlage war während unseres Aufenthaltes nicht nutzbar, weil der Standard-Druck von 200 bar nicht erreicht wurde. Das soll geändert werden.
Um ehrlich zu sein, wir haben sie nicht unbedingt vermisst, weil die Tauchgründe nur selten über 30 m Tiefe hinausgingen. Das Schiff liegt sehr gut in den
Wellen, schaukelt kaum, erreicht eine akzeptable Geschwindigkeit, so dass auch weit entfernte Ziele angegangen werden können. Das Essen hat jetzt ein höheres Niveau
und wird als Büffet ausgegeben. Der Koch ist eine echter und nicht nur angelernt. Softdrinks und Bier müssen extra bezahlt werden. Die Liburan bietet indonesischen
Standard. Dieser liegt unter dem der Livaboards in der Karibik und auch unter dem der meisten Tauchschiffe im Roten Meer. Dafür ist der Tagespreis inklusiv Non-Limit
Tauchen auch deutlich niederer. Die Preisvorstellungen so mancher Schiffseigner kann man sich als Normalverdiener ohnehin kaum noch leisten. Aufnehmen kann die
Liburan 16 Taucher, aber das ist nicht zu empfehlen, weil es dann beim Essen eng wird und auch die Schattenplätze am Oberdeck einem Verteilungskampf unterliegen. Mehr
als 14 Urlauber sollten es nicht sein, ideal sind 12. Dann haben auch Fotografen und Filmer noch eine persönliche Ecke. Und man kann drei Tauchgruppen mit je 4 Mann
bilden. Das ist überschau- und kontrollierbar. Grundsätzlich plädieren wir für max. 12 Taucher. Dafür dann lieber den Tagespreis um 5 oder 10 Euro anheben. Wem das
Schlafen mit Klimaanlage in der Kabine nicht unbedingt als Paradies auf Erden vorkommt, der kann sich nachts auf dem Oberdeck zusammenrollen und sich von einem
märchenhaften Sternenhimmel in den Schlaf wiegen lassen. Die Besatzung ist mit 12 Mann inklusive drei Tauchguides
üppig bestückt. Sie helfen einem beim An-und Ausziehen der Tauchgerätschaft, übernehmen kleine Reparaturen an Kameraschienen und Blitzarmen, säubern das
Schiff — Ungeziefer war so gut wie nicht vorhanden. Eine Kakerlake auf der Reling wurde feierlich dem Meer übergeben. Fotografieren und Filmen ist auf
der Liburan fast schiere Notwendigkeit angesichts der vielen bizarren Motive, die man auf den Explorertouren antrifft. Eine Ladestation mit 220 V für Lampen und
Blitzgeräte befindet sich am Heck. Man kann aber auch sehr gut in den unteren Kabinen laden, die mit zwei Steckdosen von 110 V und 220 V bestückt sind. An den auf Deck
befindlichen Kabinen sollten die unteren Betten etwa 50 cm angehoben werden, damit man auch mal vernünftig sitzen kann.
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