|
Mit Blick auf spezielle Ausrüstungslinien kann man mittlerweile erleichtert feststellen, dass die Industrie tauchende Frauen als wichtige
Zielgruppe erkannt hat und gerade bei Lady – Jackets hochwertige Produkte anzubieten in der Lage ist. Man findet zwar in den Katalogen führender Anbieter meist
nur ein Damenjacket, während die Herren aus dem Vollen schöpfen können, doch die Ladyprodukte haben es in sich und sind aktuell das Ergebnis intensiver
Entwicklungsarbeit unter Einbeziehung kompetenter Angehöriger der Zielgruppe. Bis auf kleine Details entsprechen sich das Jacket CONTOUR von AERIS im Vertrieb von
Seemann Sub sowie das HERA von Oceanic.
Bis zu 300 Taucherinnen, Tauchlehrer und Fachhändler waren in die Entwicklung des Jacket CONTOUR eingebunden, denn
man wollte eine tatsächlich auf die Bedürfnisse von Taucherinnen abgestimmte Lösung finden und keine abgespeckte Herrenvariante ins Rennen bringen. Ein weiterer
Aspekt, der jedoch kaum im Zusammenhang mit dem COUNTUR diskutiert wird, ist die Tatsache, dass sich manche Damen von einem speziell für sie entwickelten Jacket
aufgrund einer von der Masse der Angebote abweichenden Farbgebung distanzieren. Das nicht, weil ein anders farbiges Jacket nicht durch und durch hochwertig wäre,
sondern weil noch manch männlicher Part im Buddyteam emotional nur schwarz als Ausrüstungsfarbe gelten lässt und dezente Farbtöne, die das Damenequipment attraktiv
unterstreichen, belächeln. Doch das wird sich in absehbarer Zeit sicherlich ändern, denn das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Taucherinnen und Tauchern nähert sich
einem Gleichstand und vielleicht sagen bald schon die Damen den Herren, was sie unter Wasser zu tragen haben.
Einige blaue Applikationen setzen seitlich und auf
den Schultern unauffällige Kontraste zum schwarzen Jacketkörper. Das CONTOUR ist ein Hybridjacket, eine Kombination aus einer Wingblase, wie sie bei Tech –
Jackets üblich ist, und seitlichen Auftriebskörpern, wie sie typisch für klassische ADV sind. Diese Blasenführung ist nicht neu und wird bereits bei anderen
Damenjackets erfolgreich eingesetzt. Allerdings haben sich viele Ladies in der Vergangenheit bereits mit reinen Wingjackets ausgerüstet, nicht um technische Tauchgänge
durchzuführen, sondern um die große Freiheit im Brust- und Beckenbereich zu genießen, da die flügelartige Luftblase nur im Rücken wirksam wird. Der Nachteil von Tech
– Wingjackets ist die fehlende Stabilität des Körpers an der Wasseroberfläche, die Blase drückt den Taucher nach vorne und die komplexe Ausstattung eines Tech -
Wings mit speziellen Begurtungen, Rückenplatten und Taschensystemen kompliziert das Handling im Sporttaucheinsatz und kostet generell deutlich mehr. Der
Begriff Hybrid passt zum CONTOUR in einer ganz besonderen Weise, denn es sind außer einer Wingblase auch Elemente aus dem Tech – Bereich übernommen worden, die
die individuelle Anpassung des Jackets an die Taucherin, ob im Shorty oder im Trockenanzug, zulässt. Besieht man sich das Jacket von innen, fallen im oberen
Bereich, links und rechts der dicken Rückenpolsterung, je zwei große Edelstahlschrauben auf. Man kann diese Schrauben - am besten mit einer Münze - lösen und dann die
Schultergurte in drei Stufen verkürzen oder verlängern, das entspricht einer Variationsmöglichkeit von etwa 8 Zentimetern. Die Längenanpassung der Schultergurte, in
dem Zusammenhang also auch die Feinabstimmung der Schulterauflage, gefällt. Schließlich soll das Gewicht der Pressluftflasche und des integrierten Bleis im idealen
Winkel auf der Schulter liegen und nicht an falscher Stelle unangenehmen bis schmerzenden Druck ausüben. Die Anpassung der ADV – Gurte, wie sie sonst im
Sporttauchbereich realisiert ist, kann diesen sinnvollen Komfort allein nicht nachvollziehen. Mit einem Patent wurde diese innovative Harness – Anpassung
geschützt. Bleiben wir beim Komfort, dieser spiegelt sich an der mit Gummibändern fixierten und abnehmbaren Rückenpolsterung wieder sowie an den dick gepolsterten
Beckenbereichen. Der Bauchgurt (mit Kummerbund) ist flexibel und strafft sich selbständig, wenn bei größerer Tauchtiefe das Volumen des Anzugs abnimmt. In zwei Höhen
kann der Brustgurt fixiert werden, ein mittlerweile übliches Feature bei Damenjackets. Zwischen die großen
Taschen, verschließbar mit Reißverschlüssen, und die Beckenpolsterung reichen die Ausläufer der Innenblase, die eine aufrechte Position des Körpers an der
Wasseroberfläche unterstützen. Insgesamt drei Schnellablässe, einer im Inflator, einer auf der rechten Schulter und einer rückwärtig rechts, entleeren das Jacket.
Zur Sicherheit ist die Ablassgeschwindigkeit höher als die des Lufteinlass. Kaum ein Feature von Jackets mit integriertem Blei wurde mit mehr Patenten geschützt als
die Führung, Halterung und Auslösung der Bleitaschen. So schützt auch beim CONTOUR ein entsprechendes Patent das System. Die Führung der Taschen weist etwas nach oben,
was die Möglichkeit des unbemerkten Verlierens reduziert und den Einschub, auch am getragenen Jacket, erleichtert. Eine große Klettlasche verschließt die lang gezogene
Tasche, die wiederum mit einer breiten Klettfläche und einer Steckschnalle am Jacket gesichert ist. Mit einem starken Ruck am Taschengriff lassen sich die Gewichte
herausziehen. Für den Transport des CONTOUR ist ein stabiler Griff in der Rückentrage integriert. Auf den Flaschengurt sind zwei Trimmbleitaschen aufgezogen. Die
Halterung für Monoflaschen ist mit einem Rutschstopper aus Gummi beschichtet, ein Flaschenfanggurt sichert am Ventilkragen und richtet die Flasche senkrecht aus.
Zubehör kann man an 6 Edelstahl- und 4 Kunststoff– D-Ringen anhängen, ein Schlauchhalter wird mitgeliefert. Rechts sind unterhalb der Tasche Befestigungspunkte
für ein Jacketmesser vorbereitet, links der Einschub für einen optionalen Retractor. Langlebigkeit signalisieren die verwendeten Materialien, 1000 DENIER
CORDURA® für die Außenschale, 420 DENIER NO-FADE für die Blase.
Praxis
Damen, die sich für das CONTOUR entschieden haben, bringen einen
besonderen Anspruch zum Ausdruck. Vor diesem Hintergrund lässt man sich vor dem ersten Einsatz oder beim Wechsel vom Trocki auf den Shorty ein paar Minuten Zeit, um
die Harness – die Schultergurte – anzupassen. Hilfreich dabei ist ein Buddy, der zusätzlich optisch überprüft, ob die Abstimmung richtig erfolgte. Die
Justage der Schrauben erfordert kein Werkzeug, eine Münze genügt und es sind keine handwerklichen Fähigkeiten notwendig. Im Gegensatz zu manch anderen Damenjackets,
bei denen die mögliche Bleimenge eher auf den Tropeneinsatz ausgerichtet ist, bietet das CONTOUR bis hin zum Einsatz mit Trockentauchanzug, so, wie es von
UnterWasserWelt schließlich getestet wurde, volle Unterstützung. Je 5 kg können in die Einschubtaschen, je 2,5 kg in die Trimmbleitaschen maximal verstaut werden.
Diese Maximalmenge von 15 kg Blei wird in der Praxis des Sporttauchens realistisch kaum erreicht, steht aber für robuste Verarbeitung und das Auftriebsvermögen.
Positiv bewertet wird das Handling der Bleitaschen beim Einschub und beim Lösen. Verlustgefahr ist nicht erkennbar. Auch bei vollständig gefülltem Jaclet wird das Blei
am Schnellabwurf nicht gehindert, die Volumensveränderung der ADV – Blase ist geringer als bei reinen ADV – Jackets. Über Wasser trägt sich das
einsatzbereite CONTOUR angenehm, die Gewichtsverteilung ist tadellos. Unter Wasser wird die Schwimmlage – wie stets bei Wingblasen – ideal unterstützt. Der
Inflator befüllt gut dosierbar, die Schnellablässe reagieren spontan, lassen sich gut fassen. Die Länge des Inflatorschlauchs wünschen sich unsere Testdamen um gut 5
Zentimeter länger, dann läge er besser in Griffweite. Bei so viel Blick auf die Tech – Szene hätte man den Inflator sogar aus Metall fertigen können, dann hinge
er an idealer Position in Greifweite. In allen Befüllungssituationen bleiben die Vorteile des Hybrid – Jackets für Damen erhalten, es stellt sich keine
beengende Wirkung ein. An der Oberfläche wird der Körper in einer aufrechten Lage gehalten, was die Gewichtsverteilung in die Trimmbleitaschen unterstützt. Nach dem
Tauchgang sammelt sich im CONTOUR kein Wasser, es sind verschiedene Einsätze mit stabiler Netzstruktur vorhanden, die alles rasch ablaufen lassen. Wünschenswert
wären Einsätze mit Reflexstreifen, um das nahezu schwarz gestylte CONTOUR bei Einsätzen in der Dämmerung oder nachts sichtbar zu machen. Die Gewichtsbilanz des
AERIS CONTOUR ist aufgrund der verwendeten Materialien und Polsterungen etwas höher als bei ähnlichen Herrenmodellen.
Fazit
Das CONTOUR spricht
Damen an, die sich im äußeren Erscheinungsbild nicht mit spezieller Lady – Ausstattung outen wollen. Eine Reihe von Features sind innovativ und vereinen die
Vorteile unterschiedlichster Jacket – Philosophien. Mit großer Wahrscheinlichkeit toppt das AERIS CONTOUR in Fragen der Funktion, Ausstattung und Komfort so
manches Jacket männlicher Buddys.
|