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Das hatte die Landeshauptstadt München noch nie erlebt – öffentlichen Protest gegen Tauchverbote. Allgemein gelten Taucher als
ausgeglichen, gesellig und friedfertig. Grund genug für die Stadt München die Demonstration in Neopren von Polizei - Einsatzkräften in Uniform und als Zivilisten
getarnt zum Karlsplatz zu beordern. Wer weiß, was da alles hätte passieren können.
Bei 1°C Lufttemperatur und Schneeregen trafen sich am 21.10. 07
tatsächlich knapp 100 Taucherinnen und Taucher im Stachus – Brunnen, dem vereinbarten Treffpunkt für die Protestveranstaltung. Man hatte die Rechnung jedoch ohne
Petrus gemacht, statt Wasser aus dem Brunnen, kam dies in nahezu kristalliner Form flächendeckend aus den grauen Wolken über dem Versammlungsort. Unter diesen
Umständen hatten jene Veranstaltungsteilnehmer, die dem Dresscode der IG Tauchen folgend im Tauchanzug erschienen, die besseren Karten gezogen, Nässe und Kälte konnten
ihnen wenig anhaben. Während sich die wundersame Verwandlung sonst unauffälliger Bürgerinnen und Bürger wettergeschützt unter nahen Arkaden oder
inSchnellimbisstoiletten vollzog, gab es einige Aktivisten, die in kompletter Montur die öffentlichen Verkehrsmittel nutzend, den Platz erreichten. Kinder waren
dabei und Hunde, selbst ein Napoleonischer in der Outfit des 18. Jahrhunderts mischte sich unter die fast familiäre Gruppe, von der irgendeine Gefahr ausgehen musste.
Nur welche? Alles Tarnung, würde sie zuschlagen, wenn niemand damit rechnen würde? Was könnte dabei Schaden nehmen? Ganz klar, der Treffpunkt, der Brunnen war in
Gefahr, weshalb er dann auch auf Geheiß der staatsanwaltschaftlichen Hilfsorgane geräumt werden musste. Doch man zeigte sich auch kooperativ und parkte die
Streifenwagen um, damit die langsam einschneiende Menge der Auflage Folge leisten konnte. Und das lief ausgesprochen friedlich ab. Hoheitliche Wasserwerfer konnten
zuhause bleiben, womöglich hätte deren Einsatz sogar noch die Freude am Protest erhöht. Pünktlich um 11:00 Uhr richtete der Vorstand der IG Tauchen in Bayern ein
Grußwort an die Anwesenden und referierte kurz über den Anlass und die breite Welle der Unterstützung ihrer Aktion. Der BLTV hatte seinen Worten nach dessen
Mitgliedern sogar abgeraten sich an dem Protest zu beteiligen, sah man sich um, konnte man sich vom provokanten Ungehorsam selbst überzeugen. Ob die Strategen des BLTV
aktuell nur verschnupft sind, weil ein mit der Stadt München ausgehandelter Kompromiss, der die taucherische Nutzung des Langwieder Sees regeln sollte durch Einsprüche
nicht zur Anwendung kam, oder weil er sich als Alleinvertreter von Taucherinteressen versteht, seit Jahrzehnten allerdings ohne eine prickelnde Erfolgsbilanz vorweisen
zu können, das mag jeder für sich selbst entscheiden. Wenig Interesse, eher sogar den Versuch den öffentlichen Protest durch Verschleppungstaktiken unter den Tisch
fallen zu lassen, zeigte in den Wochen zuvor die Stadtverwaltung. Die Terminierung einer gemeinsamen Veranstaltung IG Tauchen und der Stadt München wurde im Rathaus
über Monate wohl verschleppt, es hätte sich kein Termin finden lassen, der nach Abwägung aller Gesichtspunkte gepasst hätte. Die Information aller Stadträte ob der
aktuellen Protestaktion wurde ebenso unterlassen, obwohl das Gegenteil behauptet worden war. Natürlich war auch Bürgermeister Ude bzw. ein Stellvertreter
eingeladen, dessen Absage holte sich die IG Tauchen nach Abwarten einer Antwort aus dem Rathaus bis zum letzten Moment dann selbst ab, nichts deutete darauf hin, das
fristgerecht eine Antwort hätte auf den Weg gebracht werden sollen. Für 12:30 Uhr war denn doch mit dem Erscheinen zweier Stadträte zu rechnen, die sich aber
zunächst im Veranstaltungsort irrten und am Fischbrunnen vor dem Rathaus warteten, bis sie via Mobiltelefon erreicht und zum 10 Gehminuten entfernten Karlsplatz
dirigiert werden konnten. Stadträtin Christa Stock (FDP) erschien als offizielle Vertreterin des Bürgermeisters, Stadtrat Sven Thanheiser (SPD) kann man sogar ein
wenig als Lobbyist bezeichnen, taucht er selber schon viele Jahre und ist er mit der Problematik vertraut. Den Politikern wurde von Jürgen Steiger (IG Tauchen) ein
Dokument überreicht, in dem die Ziele der Vereinigung zusammengefasst und eine Tauchregelung für den Langwieder See entwickelt wurde. Beide Stadträte wandten sich
mit kurzen Ansprachen an die Demonstranten und stellten eine Prüfung der Unterlagen und die Einbindung der IG Tauchen in die weiteren Gespräche in Aussicht.
In
der Summe konnten sich die Initiatoren der Veranstaltung zufrieden zeigen. Wegen des schlechten Wetters gab es zwar einige Absagen von Einzelpersonen und Gruppen, die
ihr Kommen per eMail angemeldet hatten, doch mit dieser ersten Protestaktion brachte man ein Anliegen in die Öffentlichkeit, das bis dahin nur Insider diskutierten.
Die Gleichbehandlung von Gruppen, die auf ein berechtigtes Interesse zur Nutzung eines Gewässers verweisen, ist in Bayern nicht erkennbar und Taucher ziehen hier
laufend den Kürzeren.
Zum PDF mit den an die Stadträte übergebenen Unterlagen.
www.ig-tauchen-in-bayern.de
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