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KF3 - Gehäuse von Bruder - Unterwassertechnik
Immer noch haftet in Deutschland einem Kunststoffgehäuse der Geruch von primitiv, billig und eingeschränkter Lebensdauer an. In anderen Ländern ist man da weiter.
Amerika hat sein Ikelite - Syndrom und in Italien beten die Fotografen abends, dass es der Fa. Nimar gut gehen möge. Von diesem Level sind die Carbongehäuse des Frank Bruder zwar noch Lichtjahre entfernt, aber die Entfernungen verkürzen sich - und zwar drastisch.
Dass die Firma vom Kohlefaser - Bruder immer noch unter den Lebenden weilt, ist sicher auch ein kleines Wunder, haben ihm wohl die meisten Mitbewerber im abendlichen
Nachtgebet den Konkurverwalter ins Haus gewünscht. Zwischenzeitlich entwickelten sich die Carbongehäuse (Fotokameras und Camcorder) zu erfreulichen Selbstläufern mit
akzeptablem Design. Aus den ehemals gebastelten Schuhschachteln für Jedermann sind eigenwillige Kameragehäuse für Individualisten geworden. Mittlerweile hat der
rührige Schwarzwälder seinen Zöglingen sogar eine Ausflockung zukommen lassen, die Lichtreflexe schluckt und auch mal Kondenswasser bindet.
Und noch eines ist sehr erfreulich: Frank Bruders Carbongehäuse werden weitgehend komplett ausgeliefert, incl. Leckwarner, Frontport und den wichtigsten Übertragungen.
Wenigstens einer, der den unseeligen Aufpreislisten den Kampf angesagt hat. Mutig und zukunftsweisend rüstet der Youngster als erster Gehäusehersteller Europas
seine Carbonhüllen mit Silicon - O-Ringen aus. Er verspricht sich davon eine verbesserte Resistenz gegen Sonne, Sand und unsachgemäße Behandlung. Nötig war das
zweifelsohne, denn früher hatten die Rückdeckel - O-Ringe mehr die Funktion von Sparringspartnern als den von guten Freunden. Das ist nun vorbei. Die neuen O-Ringe
besitzen eine vernünftige Stärke und kapitulieren nicht gleich bei jedem Angriff eines Sandkorns oder eines Haares. Zu beachten ist allerdings, dass Silicon - O-Ringe
nicht mit dem in Taucherkreisen allgegenwärtig vorhandenen Siliconfett eingeschmiert werden dürfen. Sie nehmen das Fett auf, verlängern sich und quellen irgendwann aus
der Nut. Verlangen Sie deshalb vom Gehäusehersteller eine entsprechende Tube mit mineralölfreiem Fett. Sie können aber auch das Original – Nikon - Fett oder das
von Sea & Sea nehmen. Diese Firmen rüsten ihre Geräte nämlich ebenfalls mit Silicon - O-Ringen aus.
Gegossene Kunststoffgehäuse besitzen von Haus aus nicht die Verarbeitungsqualität einer CNC - gefertigten oder im Kokillenguss geschaffene Kamerahülle. Dafür
können sie sehr individuell gefertigt und bei Beschädigung relativ leicht repariert werden. Bruder - Carbongehäuse sind unbeschadet dessen dicht und langlebig wie ein
Metallpendant. Und sie sind leicht wie eine Feder, weshalb man ein Tariergewicht anbringen muss, sonst zieht es einem vom Auftrieb die Arme gegen die Wasseroberfläche.
Das KF3 - Gehäuse kann mit ganz persönlichen Gewichten ausgestattet werden, exakt wie man die Gerätschaft unter Wasser handeln möchte. Neutral, geringer Auftrieb
oder leichter Abtrieb. Die Tariergewichte werden an der Halteschiene befestigt, stören überhaupt nicht, geben dem KF3 sogar eine recht gute Stabilität. Funktionell
unterscheiden sich die Übertragungen von denen des UK - Mini. Die Modeverstellung wurde aktuell verändert und verzahnt. Durch ein neues Sichtfenster ist die
Modekontrolle möglich und funktioniert. Plus/Minus-Korrektur und Blendeneingriff sind soweit O.K, aber etwas umständlich, weil man umgreifen muss. Neu ist auch, dass
der hintere (Blenden-) Hebel arretierbar ist, damit man die gewünschten Belichtungswerte sicher anwählen kann. Um das Durchrutschen der Übertragung auf das
Multifunktionsrad bei schnellen Drehungen zu unterbinden, hat Bruder den glatten O-Ring gegen einen genoppten bzw. gezahnten ausgetauscht. Ein bedeutsamer Fortschritt,
der zukünftig bei allen Reibradübertragungen eingeführt werden soll und das Kameragehäuse deutlich aufwertet.
Noch vor Jahren wäre der alte KF3 -Sucher noch gelobt worden, aber die Zeit bleibt eben nicht stehen und Einsteiger im Gehäusebau haben es heutzutage nicht mehr so
leicht wie einst. Der Fortschritt auf diesem Gebiet ist enorm und überrollt so manchen Hoffnungsträger, bevor dieser tief eingeatmet hat. Bruder war also gezwungen in
die Offensive zu gehen und seinen Sucher zu verbessern. Das ist ihm zweifelsohne auch gelungen. Positiv ist zudem die Suchergeometrie. Man kann das Bild selbst mit den
klobigsten Automatenmundstück ohne Beeinträchtigung überschauen. Zwei solide Industriehandgriffe, man findet desgleichen eventuell auch an Fahrrädern oder Schistöcken,
mit je einem int. T - Stück lassen das Gehäuse sehr gut in den Händen liegen. Die Position der Griffe kann individuell auf Fingerlänge und Handgröße eingestellt
werden, so dass sowohl zierliche Frauen als auch Big Macs mit Bärentatzen zu einer befriedigenden Ergonomie kommen können.
Einbauen lässt sich die EOS 300 recht easy, die Stativschraube (leider nicht verlustsicher) presst dem Kamerabody unverrückbar auf die Grundplatte. Bestückt ist das KF3
mit einer fünfpoligen Nikonos - Blitzbuchse und der Option für einen zweiten Blitzanschluss. Es muss nur noch das Loch gebohrt werden. Der Blitzschuh besitzt vier
Pole, die für alle praktikablen UW - Blitztechniken sowohl bei Amphibien- als auch bei Systemblitzgeräten absolut ausreichen. Weil Frank Bruder aber den Ehrgeiz
besitzt, auf Wunsch auch spezielle Funktionen übertragen zu können, rüstet er die Canongehäuse optional auch mit den sechspoligen S6 - Blitzbuchen anbieten. Damit
umgeht er zukünftig alle hausgemachten Synchronisations- und Zündprobleme. Diesen Weitblick muss man loben, insbesondere auch deswegen, weil die S6 - Buchsen und
Stecker gegenüber einer Nikonos - Verbindung ein absoluter Sicherheitsgewinn sind.
Die Gläser in den Frontports bestehen seit kurzem aus Mineralglas. Gegenüber Acrylglas, das deutlich preiswerter und auf Wunsch auch noch zu haben ist, sind die
Abbildungsleistungen bei Gegenlichtaufnahmen leicht gestiegen, weil sich auf der gegen Kratzer unempfindlicheren Oberfläche weniger Reflexe und Streulichter bilden.
Zudem kann Frank Bruder für alle gängigen Brennweiten (24 mm; 20 mm; 18 mm; 14 mm, Fisheye) die passenden Wölbungen anbieten. Das Bajonett besitzt eine große
Auflagefläche (zweifach geführt), die Ports sind am vorderen Glasansatz sehr griffig geformt und somit auch mit feuchten Händen problemlos zu wechseln.
Fazit:
Bruder will mit seinen Gehäusen die Welt verändern, wie einst die Sintflut. Er hobelt, also bekommt er auch Späne. Wie man hört, läuft das EOS 300-Gehäuse sehr
zufriedenstellend. Und die Kunden stören sich anscheinend wenig an der stellenweise etwas groben Verarbeitung, Zugpferd ist in erster Linie der Komplettpreis. Da weiß
man wenigstens als Durchschnittsverdiener und junger Einsteiger, was einen erwartet. Voll im Trend und brandheiß dürfte auch der Name Carbon sein. Manchem Formel
1-Freak läuft schon bei diesem Wort eine wohlige Gänsehaut über den Rücken.
Preis (mit Basisport und Leckwarner): ca. € 895,-
INFO
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