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Hotel Turtles Inn
Man kann sich kaum eine schönere Lage für ein kleines Hotel an der Abu Tig Marina vorstellen. Die Terrasse
bietet Platz für die Gäste des mit 28 Zimmern familiär zu führenden Hauses, der Blick von dort auf die Marina wird beim Frühstück oder beim Treffen der Taucher nach
der Tagesausfahrt besonders genossen. Etwas zurückgezogen von der Baulinie sitzt man nicht direkt an der Straße, die zugegeben, kaum befahren ist. Mehrmals pro
Woche bietet die Küche für ihre Gäste auch Abendessen an, am Freitag gibt es oft ein BBQ, stimmungsvoll passend zum kleinen Straßenfest, das am Freitagabend in der Abu
Tig Marina gefeiert wird, musikalisch unterstützt von einer Lifeband. Sein Glas Bier nach dem Tauchgang kann man auf der Terrasse trinken oder in der Open Air
Taucherbar auf dem Dach des Turtles Inn. Hier sitzt man in gemütlicher arabischer Atmosphäre, kann eine Wasserpfeife rauchen und den erhöhten Blick auf die von der
untergehenden Sonne warm beleuchteten Marina genießen. Das Frühstück erleichtert den Start in den Tag, der für die Taucher spätestens um 8:15 Uhr mit dem Treffen an
der Basis im Haus beginnt. Kaffee, Tee, Milch, Saft, Obst, Joghurt, Müsli und Flakes, Marmelade, Butter, Käse, Brot und Gebäck stehen bis 10:00 Uhr am Büffet bereit,
Eier jeder Zubereitungsart macht die Küche frisch. Der Service beim Frühstück oder Abendessen wird von herzlich die Gäste betreuenden Mitarbeiterinnen aus
Österreich versehen, manchmal findet man auch Khalid selbst an deren Stelle. Englisch spricht das Personal an der Rezeption, die 24 Stunden besetzt ist. Viel
Wert legte man bei der Neugestaltung des Hauses auf die dabei verwendeten Farben. Kräftig leuchten ein warmes Gelb und Streifen von Orange, das man auch im Logo des
Turtles Inn wiederfindet, um mit den Komplementärfarben Mint und Blau die dazugehörigen Akzente zu setzen. Der große Pool im kleinen Innenhof – ja, solche
Gegensätze kann es hier geben – ist mittig 1,8 Meter tief und erlaubt auch die ersten taucherischen Weihen dort zu erhalten. Optisch wird der Innenhof durch den
durchgängig kräftigen blauen Anstrich vergrößert. Nur ein paar Schritte sind es von dort zur Basis im Haus. Zwei Zimmer haben einen Balkon mit Blick auf die Marina.
Diese sind meist lange voraus gebucht, da sie als die schönsten im Hause gelten. Die Räume, alle mit Doppelbett, Einbauschrank mit Safe, Schreibtisch, Kühlschrank, TV
(auch diverse deutsche Programme), Telefon mit direkter Anbindung nach außen, Klimaanlage und Badezimmer lassen spontan wohlfühlen und haben unterschiedliche Größen.
Wer mit viel Gepäck reist wird die Standardzimmer als etwas klein empfinden, gilt es mehrere Koffer unterzubringen. Im Badezimmer fehlt noch ein Duschvorhang, doch das
wird sich nach Abschluss aller Umgestaltungsmaßnahmen wohl auch noch ergeben. Zwei große Handtücher sind pro Zimmer für die Verwendung am Pool, Strand oder
Tauchboot vorbereitet, ein angenehmer Service, der bei großen Hotelanlagen oft sehr umständlich gelöst ist. Alles wirkt neu und – funktioniert. Wer Ägypten
kennt, wird diesen Umstand sehr zu schätzen wissen, ob es sich um die Fernbedienung des Fernsehers, die Toilettenspülung, den Duschkopf, die Zimmerbeleuchtung oder die
Klimaanlage handelt. Die Roomboys machen einen guten Job, das Zimmer wird sauber und ordentlich hergerichtet. Die Zielgruppe des Turtles Inn sind natürlich
Gäste, die die Infrastruktur der hauseigenen Tauchbasis auf kurzem Weg nutzen wollen und kein „All Inklusive Angebot“ wünschen. Doch nicht nur Taucher werden
hier begrüßt, der nahe Strand mit exzellenten Möglichkeiten für Kiter (Windsurfer mit Drachen statt mit Segel) lockt auch diese Sportler ins Hotel. Singles finden
durch die familiäre Art im Haus schnell Anschluss. Wer mit Kindern anreisen möchte, sollte bedenken, dass sie in einer Altersgruppe sein sollten, die sie an den
(sportlichen) Aktivitäten der Eltern teilnehmen lässt, da außerhalb der großen Hotelanlagen keine entsprechende Infrastruktur gegeben ist. Es gibt einen Minigolfplatz
und einen Kinderspielplatz unweit des Hotels, doch das sind keine tagesfüllenden Angebote, eher eine Möglichkeit am späten Nachmittag die Kids dort zu beschäftigen.
Der nahe Strand ist abhängig von Ebbe und Flut unterschiedlich erfrischend. Er fällt sehr flach ab und bei niedrigem Wasserstand kann es schon hundert Meter und mehr
Fußmarsch durch seichtes Wasser erfordern, bis der ganze Body erfrischt werden kann. Des Kiters Freude, des Badegastes Leid...
Am Abend
Nach dem
Tauchgang trifft man sich entweder auf der Terrasse des Hotels Turtles Inn oder steigt hinauf auf dessen Dach und genießt von der dortigen Open Air Bar den Blick über
die Marina. Auf Vorbestellung gibt es auch ein Abendmenü im Hotel. Nur wenige Schritte entfernt sind einige Restaurants zu Fuß zu erreichen, mit Außenterrassen oder
klimatisierten Räumen. Am Freitagabend wird immer ein „Straßenfest“ gefeiert, mit Liveband und Tischen, die bis direkt an die Marina aufgestellt werden. Gute
Stimmung und ein angenehmes Ambiente zeichnen diese Veranstaltung aus, die völlig auf die andernorts zelebrierten ägyptischen Heimatabende verzichtet. Um in die
„Altstadt“ von El Gouns zu gelangen, kann man einen der in kurzen Abständen eine Rundstrecke befahrenden Busse nehmen oder, was wesentlich unterhaltsamer ist,
ein „TokTok“ mieten. Das sind motorgetriebene, überdachte Dreiräder mit einer Sitzbank für 2-3 Personen. Bequem fährt man zu zweit und bezahlt pro Kopf 5
ägyptische Pfund pro Strecke. Das macht Laune, die Fahrer sind wie die kleinen Kinder und versuchen mit spontanen Rennen zu zeigen, wer schneller ist. Sie haben die
Schikanen in sandbedeckten Kurven gut im Griff und man kommt ohne Blessuren ans Ziel. Im Zentrum von El Gouna kann man einen Einkaufsbummel machen, Restaurants
besuchen, ein Spielkasino wartet auf ihr Geld und ein Aquarium auf Besucher. Doch das Aquarium ist weit von der Realität dessen entfernt, was wir unter Wasser erleben
und kann nicht empfohlen werden.
Orca Dive Club Turtles Inn
Bestandteil des Hotels ist die 2004 eröffnete ORCA Tauchbasis, geleitet von
Norbert Bewernitz, besser als “Nunu” bekannt und Raquel Marcos. Dieses deutsch – spanische Gemeinschaftsprojekt unterstützt „Ali“ Detlef
Eichler und bei Bedarf „Tony“ Thomas Kaspers. Alle haben langjährige Ägyptenerfahrung, das Basisleiter - Paar hatte zuvor schon 8 Jahre in Hurghada gearbeitet.
Ausgebildet wird nach PADI und CMAS bis Divemaster und CMAS***. Kids können ab 8 Jahre für entsprechend auf sie zugeschnittene Kurse (zunächst im Pool) angemeldet
werden, ab 14 Jahre bis zum Junior AOWD und nach CMAS zum Nitroxtaucher. Von 8:00 Uhr bis 20:00 Uhr ist die Basis mit angeschlossenem Shop geöffnet. Verteilt auf
vier großzügige, saubere Räume und einem Innenhof sind die Rezeption und das Büro der Basis untergebracht, der Laden, der Raum für Kunden- und Verleihequipment,
eine Werkstatt, ein Schulungsraum und die beschattete äußere „Nasszelle“ zum Spülen und Trocknen der Ausrüstung. Die Flaschen sind in georderter Größe und
Befüllung für zwei Tauchgänge auf dem Boot. Es gibt kein mühsames Schleppen, Equipments kommen für den kurzen Weg zum Bootsanleger in Kunststoffkörben auf einen
Pickup, Foto- und Videoausrüstungen finden da natürlich auch Platz. Pressluft wird in 12 l Alutanks gefüllt, Nitrox 32 in Stahlflaschen, wahlweise mit 12 l oder 15
l Volumen, alle mit DIN – Ventilen bestückt. Nitrox wird grundsätzlich mit 32% Sauerstoffanteil geboten, andere Mischungen sind nicht vorgesehen. Für Druckluft
sorgt ein Bauer KA 15 Kompressor. Die Leihausrüstungen und Flaschen sind nahezu neu und hinterlassen einen guten Eindruck. Jackets und Atemregler kommen von
Seemann Sub, Lampen von Treble Light. Auch kleine Digitalkameras (Minolta Konika Dimage 3.2) können für eigene Unterwasserschnappschüsse geliehen werden. Was
später noch auffiel, die meisten Gäste tauchten mit kleinen Digitalkameras ab, was bei der Qualität der Tauchgebiete durchaus gerechtfertigt ist. Auch über die Zeit
zwischen den Tauchgängen macht man sich hier Gedanken, Tauchmagazine, Ausgaben von National Geographics, Bestimmungsbücher und Bildbände, die auf die hier betauchbaren
Wracks einstimmen, liegen auf. Viele Gäste sind von Nunu und Raquel schon in Hurghada betreut worden und finden nun den Weg nach El Gouna. Andere kommen zusätzlich
von nahe gelegenen Hotels um die Leistungen der Basis zu nutzen. Man schätzt die individuelle Betreuung, die professionelle Ruhe und die Qualität der Boote –
sowie deren Küche! Ohne Übertreibung darf man sagen, dass der Koch der Turtles – Flotte ein so gutes Mittagsmenü zaubert, dass er die Vergleiche mit Safaribooten
gehobener Klasse nicht zu scheuen braucht. Und auch dieses Geheimnis sei verraten, seine „Jungs“ sind von ihm so gut angelernt worden, dass sie bei seiner
Abwesenheit den gewohnten Standard der Bordverpflegung halten können. Nunu, Raquel, Detlef und Tony strahlen vertrauenserweckende Ruhe aus, haben dabei alle Abläufe
auf der Basis und dem Boot unauffällig im Griff. Das Briefing vor den Tauchgängen und die Gruppeneinteilung ist vorbildlich. Jeder Tauchplatz wird von einer Grafik
unterstützt beschrieben, die tagesaktuell gezeichnet wird. Dafür sind keine Vorlagen nötig, das geht aus dem Kopf und man kann auf die tatsächliche Position des Bootes
am Tauchspot eingehen wie auch auf die Strömungsverhältnisse.
Alle Tauchgänge mit dem ORCA Dive Club Turtles Inn werden vom Boot aus gemacht, in
der Regel als Ganztagesfahrten mit zwei Tauchgängen. Maximal 20 Taucher werden an Bord genommen. Man ist zurecht stolz auf die eigenen beiden Boote, zumal nach einer
neuen Bestimmung keine weiteren Schiffe mehr gebaut werden dürfen. Die „Turtles I“ wurde erst ein paar Wochen vor unserem Besuch fertig und noch ist nicht alles
auf den Punkt vorbereitet. Die neue Mannschaft muss mit dem Boot vertraut werden, das wesentlich größer als das andere Boot „Abu Talib“ ist. Geräumige
Tauchdecks erleichtern aber auf beiden Schiffen das Anlegen der Ausrüstung, die Flaschen sind entlang der Sitzbänke an der Reling gesichert, mit starken Gummibändern
auf der „Abu Talib“, mit starren Leinen auf der „Turtles I“. Natürlich ist das Handling der Gummibänder zweckmäßiger und irgendwann wird auch das neue Boot
so ausgestattet sein. Noch ist die Gestaltung des Tauchdecks auf der „Abu Talib“ insgesamt praxisorientierter, es ist dort mittig eine halbhohe Wand eingezogen,
an der beiderseits weitere Flaschen sicher befestigt werden und die eine Konsole bietet, auf der Tauchcomputer, Lampen oder kleine Kameras abgelegt werden können. Auf
vorbereiteten Bügeln trockenen die Anzüge im Schatten, alles ist an seinem Platz und jeder Taucher hat seine Flaschen und das Equipment griffbereit verstaut. Man kann
seine Ausrüstung während des Urlaubs an Bord lassen, die Crew wohnt auf den Schiffen und so ist es auch nachts unter Bewachung. Insgesamt ist die hohe Sicherheitslage
in El Gouna nicht vergleichbar mit Hurghada, dort sind nach Einbruch der Dunkelheit bereits Equipments von verschiedenen Booten gestohlen worden. Filmer und
Fotografen schätzen den Service die Gehäuse nach den Tauchgängen an Bord mit Frischwasser spülen zu können, Tauchcomputer und Uhren freuen sich natürlich auch über
eine Entsalzung. Saubere Toiletten, sogar mit Dusche, tragen zum Komfort der Flotte ebenso bei, wie die geräumigen Salons, in denen Schattenliebhaber es sich
bequem machen, Fotografen ihre Kamerasysteme vorbereiten oder Tauchtheorie gelehrt wird. Auch das Mittagessen wird dort aufgetragen und jeder, der auf den Lunch
verzichtet, verpasst etwas. Solches Lob für die Küchencrew von Tagesbooten ist eher selten und in einem Guide Michelin ägyptischer Tauchboote würden die “Abu
Talib” und “Turtles 1” mit einem Stern ausgezeichnet. Sonne und Halbschatten gibt es auf den ausladenden Sonnendecks, damit niemand auf dem harten
Boden liegen muss, sind Kunststoffmatten für das Nickerchen vorbereitet.
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