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Gut oder schlecht, die Maschine der HapagFly rollt erst nach Einbruch der Dunkelheit, jedoch pünktlich auf dem Flugplatz von Hurghada aus. Die anschließenden Formalitäten nehmen
kaum Zeit in Anspruch und kurz darauf sitze ich im Transferbus des Veranstalters ORCA um nach El Gouna gefahren zu werden. Eine halbe Stunde bleibt mir um innerlich auf Ägypten
umzuschalten, pittoresken Verfall zu erwarten, eine Ansiedlung von Hotels in einem nordafrikanischen Fischerdorf, hektischen Autoverkehr, schreiende Neonreklamen und unbedacht
verstreute Abfälle. Die heiße Dunkelheit um mich deckt sich wie ein Tuch über das, was ich nach einer kurzen Zeitreise im Licht des nächsten Morgens staunend auf mich wirken lasse.
„Die Lagune“, das bedeutet El Gouna in arabischer Sprache, gibt sich wirklich keine Mühe falsche Erwartungen und klischeehafte Vorstellungen auch nur im Ansatz
zu befriedigen. Kein bröckelnder Putz, kein ungeordnetes Durcheinander, keine Autohupen, keine stinkenden Fahrzeugabgase, keine Bakshish fordernde Hände, keine von zwecklosen
Hinterlassenschaften missbrauchte Straßen und Wege. Vielmehr ziehen eine stimmige Architektur, lebendige Farben, sattes Grün, gepflegte Straßen und heimelige Gassen, Linien und
Formen den staunenden Gast in seinen Bann. Ist das alles wirklich, so frage ich mich nach meiner ersten Nacht im Hotel Turtles Inn, dessen Innenarchitektur Farben in sonnigem,
warmen Gelb, über Orange und Mint bestimmen und ein Innenhof mit Pool von kräftigem Blau eingerahmt ist. Der Blick von der Terrasse des Hotels zur Marina Abu Tig, umgeben von der
in einem weitläufigen U künstlich geschaffenen Anlage, vermittelt fast mediterranes Ambiente. Strahlend weiße Yachten haben ihren Liegeplatz am Kai, nur wenige Ausnahmen erlauben
die Straße zu befahren, von der man im übertragenen Sinn essen könnte. Zweifel stellen sich ein, ob man tatsächlich noch in dem Ägypten weilt, das man zu kennen glaubt. Und
tatsächlich, ein Hauch von Unabhängigkeit schwebt über El Gouna, das sich als Community etwa 15 Kilometer entlang der Küste nördlich von Hurghada hinzieht und etwa einen Kilometer
ins Landesinnere reicht, mit den schroffen Eastern Desert Mountains im Hintergrund. Es ist auch kein dem Verfall preisgegebenes altes Fischerdorf als Zentrum der Ansiedlung zu
finden, das, was ich heute sehen kann nahm seinen Anfang im Jahr 1989. Khalid Khalil, Eigentümer des Turtles Inn mit angeschlossener ORCA Tauchbasis, ist Deutsch –
Ägypter, der Mitte 2004 den Entschluss fasste zusammen mit seiner Frau einem rastlosen Leben im internationalen Softwarebusiness eine neue Perspektive zu geben. Der passionierten
Sporttaucher, der die Spots im Roten Meer alle bestens kennt, nahm die Gelegenheit wahr einen Traum wahr werden zu lassen. Nach fast 12 Monaten behutsamer Renovierungen und
kleineren Umbauten strahlt das Turtles Inn gastliche und unverwechselbare Wärme aus und man wird dort herzlich und durchaus familiär betreut. Ein wohltuender Gegensatz zu „All
Inklusive Bettenburgen“, in denen man als Gast eine Nummer und bei der Abreise ein Fremder geblieben ist. Im Auto werde ich von Khalid durch El Gouna gefahren und erst
jetzt eröffnet sich das Konzept des Gebiets, das so groß ist wie Zentral – London, wohl das beste Krankenhaus des Landes inklusive Druckkammer aufzuweisen hat, eine
internationale Schule mit 400 Schülern sowie eine Hotelfachschule bietet, einen eigenen Radio- und TV-Sender betreibt, 20 künstliche Lagunen und Kanäle besonderes Flair
schaffen, Minigolf und ein 18 Loch Golfplatz den Tag gestalten lassen, mehr als 3000 Einwohner gezählt werden, 13 Hotels Gäste verwöhnen und schließlich 8 Tauchbasen ihre
Leistungen anbieten. Natürlich gibt es auch einen kleinen Flugplatz für Verbindungen nach Kairo oder für Tagesausflüge nach Luxor. Jeder Meter Fahrt erschließt neue Einblicke
und dort, wo die Bebauung abgeschlossen ist, erkennt man die Handschriften unterschiedlicher Architekten, die traditionelle und landestypische Gebäudeformen aufgegriffen haben,
sich an alten römischen Vorbildern orientierten oder einer arabischen Moderne Ausdruck verleihen. Das Auge wird nicht satt und die Kamera findet keine Ruhe. Nicht ohne Stolz
erzählt Khalid die junge Geschichte El Gounas, das ein Projekt des Ingenieurs Samih Sawiris ist, der, wie er auch, die internationale Schule in Kairo besuchte, später in Berlin
studierte und wohl der reichste Mann Ägyptens sein dürfte. Samih Sawiris wollte sich ursprünglich in der kleinen Bucht mit einem Haus und einer privaten Marina ansiedeln, es kam
ein Hotel hinzu und schließlich nahm das Projekt seinen einzigartigen Lauf, der zeigt, dass ein modernes Ägypten zu schaffen möglich ist ohne das orientalische Flair dafür
aufzugeben. Ich suche Vergleiche und eine Brücke für meine Empfindungen, habe „Disneyland“ auf den Lippen. Doch das hört man hier nicht so gerne – obwohl einer der
Architekten tatsächlich aus USA stammt und an Disneyland – Projekten beteiligt war. „Filmstadt“ liegt auch nahe und es gab bereits einige Produktionen von Kinofilmen
und Werbespots, die die Kulisse von El Gouna nutzten. „Hier leben Menschen, deshalb ist es hier anders,“ wendet Khalid lächelnd ein. „Viele Familien haben hier ihre Häuser
gebaut, viele werden noch kommen, über den Geschäften oder Restaurants wohnt man, du findest hier Kinder und Menschen, die zur Arbeit gehen. Die meisten Angestellten der Hotels,
Restaurants oder Tauchbasen haben hier ihr Zuhause.“ Khalid dürfte mit dieser Ansicht Recht haben, dieser Unterschied macht aus El Gouna eine Community, die für ihr
Umweltbewusstsein bereits auch international mehrfach ausgezeichnet wurde. Abfall wird zum Beispiel in einer eigenen Anlage genau getrennt, recyclebare Materialien den
Regenerationsprozessen zugeführt. Es gibt keine ungeklärten Abwässer, Strom wird in eigenen Anlagen erzeugt, Wasser aus natürlichen Quellen erschlossen. Man ist völlig unabhängig
vom nahen Hurghada, bezieht nur Abwasser von dort, das speziell nachgeklärt und so aufbereitet zur Bewässerung eingesetzt wird. Und das ohne die sonst übliche und von europäischen
Gästen nur widerwillig tolerierte Geruchsbelästigung. Abydos Marina, wir sind am entferntesten Punkt der Rundfahrt angekommen. Khalid zeigt mir das erst vor wenigen Tagen
fertiggestellte zweite Tauchboot der Tauchbasis. Die „Turtle 1“, von der Raquel, die Partnerin von „Nunu“, gemeinsam leiten sie die ORCA – Basis, später sagen
wird: “Michael, pass auf, das Schiff ist so groß, dass du dich darauf verläufst!“ Die Decks sind wirklich großzügig, der Salon würde auch einem Safariboot der
Spitzenklasse zur Ehre gereichen. Im Laufe des Aufenthalts werde ich auch die großen Vorteile genießen können, die eigene Tauchboote einer Basis bieten gegenüber den oft
gecharterten Booten. Mit der „Turtle 1“ hatte man auch das große Glück die letzte der maximal 50 Lizenzen für die Zulassung eines Bootes in El Gouna zu bekommen. Generell
dürfen nach einem Regierungserlass keine neuen Boote mehr gebaut und zugelassen werden. Die gegenwärtig landesweit eingesetzten Boote habe eine an sie gebundene Lizenz erhalten,
es sind nur noch Umbauten oder Renovierungen möglich, die von einer offiziellen Stelle abgenommen werden müssen. Vereinzelt hat dies schon zu drastischen Preiserhöhungen
bei Charterbooten geführt, die sicher auch an die Tauchgäste weitergegeben werden. Ein eigenes Boot macht von den anstehenden Preiskämpfen unabhängig, die Mannschaft ist
angestellt von der Basis und bietet entsprechend besten Service für den Tauchbetrieb. Die Tauchboote ankern nachts in der Abydos Marina und holen die Gäste an einem zur
Basis nahegelegenen Treffpunkt ab. Einzigartig ist das gemeinsame Kompressorhaus, das von allen Tauchbasen genutzt wird. Jedes Unternehmen hat hier seine Füllanlage stehen,
Pressluft und Nitrox werden den Gästen angeboten. Dieses Konzept macht die ORCA – Tauchbasis frei von der sonst üblichen Betriebsamkeit und auch Lärmentwicklung. Der
Überblick, den mir Khalid verschaffte, ermöglicht mir das Projekt verstehen und die nächsten Tage lassen mich zu einem aktiven Teil der Community werden, der nicht in einem
Großhotel mit drei Mahlzeiten weggeräumt alles nur von außen erlebt. Für weitere Gespräche erwartet mich Daniel Breitbach, PR-Koordinator von El Gouna. Schnell wird klar,
dass erst eine eigene Reportage über diese Community den Zugang für alle Details öffnet und wir werden dies zu einem späteren Zeitpunkt einplanen. Jetzt steht das Hotel Turtles
Inn und die ORCA Tauchbasis im Mittelpunkt meines Aufenthaltes. Um den tauchfreien ersten Tag noch gut zu nutzen, verabreden wir uns zu einer Bootsrundfahrt durch das Kanalsystem
am späten Nachmittag, um vom Wasser aus alle Ansichten von El Gouna kennen zu lernen. Diesen gut einstündigen Ausflug sollte man sich auf jeden Fall gönnen, er öffnet auch
Einblicke in die malerisch gestalteten Parks der Hotelanlagen, die von der Straße aus nicht möglich sind. >>> lesen Sie hier weiter >>>
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