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Im Gebiet Beucha – Ammelshain – Altenhain - Waldsteinberg wurde und wird noch heute Granit-Porphyr gebrochen. Der rötliche Werkstein ist nach wie vor begehrt. Aus dem hiesigen Gebiet stammen die Steine des 91 m hohen Völkerschlacht - Denkmals zu Leipzig, das noch immer als Europas größtes Monument der Neuzeit gilt. Wo der Werkstein in der Natur „fehlt“, hat sich längst glasklares Wasser gesammelt.

Einer von vielen Steinbruchseen in der Region ist der Große Steinbruchsee von Ammelshain am Haselberg. An diesem Ort unterhalten der Landestauchsportverband Sachsen, der TAZA-Tauchclub e.V., ein örtlicher Angelverein und der regionale NABU (Naturschutzbund) ein 39 Hektar großes Naturschutzgebiet, dessen Kernstück der See im Fels ist.
Naturfreunden seien auch Wanderungen „außen herum“ empfohlen, von der Ringelnatter über diverse seltene Krötenarten bis hin zum Eisvogel sind zahlreiche besondere Naturbeobachtungen möglich. Außerdem stellt man dann leicht fest, dass allein direkt am Haselberg drei Steinbruchseen auf engstem Raum existieren, von denen allerdings nur der neben der TANA - Basis zum Tauchen zugelassen ist.
Es ist eine in Deutschland einmalige Konstellation, dass Taucher, Angler und Naturschützer die Hand über ein herrliches Stück Land halten, Einnahmen gemeinsam abgestimmt für dieses Gebiet verwenden und man im Naturschutzgebiet tauchen darf. Obwohl der See mit Fahrzeugen erreicht werden kann, gehört es zu den „eisernen Spielregeln“ von Ammelshain, den Wagen an der Basis abzustellen und etwa 100 Meter mit Equipment zum Wasser zu laufen.
Der See hat nur eine Einstiegsstelle und empfängt uns mit herrlich klarem Wasser. Bereits vom Einstieg weg tauchen wir über prächtig grüne Tausendblattwiesen, die das Markenzeichen des Sees sind. Die Pflanzensprosse ähneln dicht befiedert beinahe Tannenwedelpflanzen. Bizarr angeordnet, als Gemisch von frischgrünen neben vorjährigen, fast vergangenen Exemplaren stehen die Sprosse in der Unterwasserlandschaft wie eine aquatische Ausgabe des Dürer’schen Rasenstückes.
Linkerhand vom Einstieg verläuft den alte Tagebaustrasse, wo die Tausendblattpflanzen und Wasserpest in maximal vier Meter Tiefe viel Licht bekommen. Aus den Wasserpflanzen ragen hier und dort die Stämme versunkener kleiner Bäume. Diesen unterseeischen Dschungel lieben auch die Fische.
Und so kreuzen über den grünen Wiesen kleine Schwärme von Barschen und größere Schwärme von Plötzen und Rotfedern. Eher tief im Kraut sehen wir goldgrüne Schleien. Selbstverständlich begegnen wir alle paar Meter wieder einem neuen „Platzhecht“, der die „eigene Krautbank“ selbstbewusst als seinen Einstand behauptet. Im Hintergrund dieser Wasserpflanzenfelder gibt es diverse Felsspalten. In einer solchen, meist nur 1,5 bis 2 Meter tief, lebt der hiesige Wels. Dennoch bekommen ihn nur wenige Taucher zu Gesicht. Tief in den Wasserpflanzen verborgen stehen einige Begrenzungspfeiler der alten Tagebaustraße, Stahlstützen, Rohre und Schieber.
Wer sich neben der Krautbank in die Tiefe „stürzt“, kann an der kleinen Steilwand neben der Straße etwa 12-20 Meter tief abtauchen. Einen guten Eindruck des Fels-Reliefs liefert das alte Schwarz-Weiß-Bild auf der Seite www.tauchsport-sachsen.de , Rubrik TANA Ammelshain, Zentrum. Im vorderen Bereich neben der Strasse liegen alte Schmalspurschienen des Bergbaubetriebes mit Weiche sowie Steinbruch-Loren. Weiter hinten ruht in etwa 12 m Tiefe ein Motorboot-Wrack. Dies muss ein ehemals sehr schneller, flachgehender Motorbootsrumpf gewesen sein – der dem Auge allerdings kaum Details bietet.
Unter der vom Einstieg sichtbaren Boje oxydieren zwei Autowracks der legendären Ostmarke WARTBURG nahe bei der Maximaltiefe von 29 m vor sich hin. Gute Lampen zeigen, dass der tiefere WARTBURG ehemals weiß gewesen sein muss. Allerdings herrscht in 26-29 Meter Tiefe nur selten die gute Sicht der „oberen 20 Meter“. Den flacher liegenden WARTBURG findet man auch gut, indem man auf dem 24-m-Plateau einer rostigen Pumpleitung folgt. Sobald diese noch einmal 90 Grad nach unten in den Pumpensumpf abzweigt, richte man den Blick schräg nach oben und entdeckt eines der Automobile.
Im vom Einstieg weg hinteren Bereich des Steinbruchsees erkennt man einen Flachwasserbereich mit Schilf- und Binsenzone. Dieser Lebensraum steht als Laichgebiet der Fische und Brutgebiet der Wasservögel unter Schutz und darf nicht betaucht werden. Wer den Steinbruchsee in etwa fünf Meter Tiefe umrundet, vermeidet mehr oder weniger „automatisch“ das Betauchen des sensiblen Gebietes.
Im hinteren Bereich des Sees steht eine stählerne Trainingsbahn aus Containern und Kriechhindernissen auf dem Felsgrund. Diese Tauchschikanen wurden einst (1990) als Übungsparcours für Höhlentaucher errichtet und rosten nun langsam dahin. Ferner liegen hier hinten einzelne Stahlteile wie große Wellen und Seilscheiben am Grund. Der frühere Bergbau bleibt auch über kahlen Sedimentflächen allgegenwärtig. Als Spuren einer abenteuerlichen Kinderfreizeit sind außerdem einige gut erhaltene Flösse am Grund zu sehen.
Nicht selten beobachten wir im hinteren Seebereich einzelne große Spiegelkarpfen beim Wühlen. Auf dem Rückweg, dicht unter den Steilwänden der - vom Einstieg aus gesehen - rechten Seeseite, geraten wir in ausgedehnte versunkene Gehölze und Bäume, die während der trocken liegenden Zeit des alten Steinbruches gewachsen sein müssen. Immer wieder entdecken wir stählerne Absperrungen, deren Rot-Weiß-Lackierungen langsam verblassen.
Weiter gehören zu den Besonderheiten des Sees die unvermeidliche Ausbildungsplattform, eine ausgeleinte Apnoe - Trainingsstrecke und eine kleine Höhle. Der Steinbruchsee Ammelshain ist für Wochenendtauchgänge sehr begehrt. Und das gilt rund ums Jahr, denn Insider wissen, dass hier unter Eis auch mal 30 Meter Sicht herrschen können.
Einzelne Tauchgänge müssen nicht unbedingt angemeldet werden, doch wer hier Flaschen füllen und übernachten möchte, sollte langfristig vorher eine eMail senden oder anrufen. Das Objekt der TANA-Basis ist sehr oft für Veranstaltungen des Hausherren (Landestauchsportverband Sachsen) ausgebucht und Gäste müssen sich dazwischen „einschichten“. Tagesgäste können gegen Entrichtung von 5 Euro Tauchgebühr und Eintrag ins Taucherjournal jederzeit tauchen. Ein gültiges Brevet mit ärztlichem Attest ist Bedingung.
Die Übernachtungs-Kapazität dieses besonderen Taucherstützpunktes beträgt 26 Betten in etwa „gehobener Jugendherbergsklasse“ mit Mehrbettzimmern und Küchennutzung, bis zu 20 Aufbettungen auf Liegen im Gebäude, Campingplatz auf der Wiese hinterm Haus für bis zu 30 Personen oder bis zu 8 Wohnmobile. Nasse Tauchausrüstung darf nicht mit in den Wohnbereich gebracht werden. Deshalb gibt es einen abschließbaren Trockenraum für das Equipment.

Anfahrt: Das Tauchsport- und Naturschutzzentrum Ammelshain liegt nahe bei der A14 Leipzig-Dresden. Man fährt an der AS Klinga ab, in den Ort Klinga hinein und biegt gleich nach dem Bahnübergang in die Altenhainer Strasse ein. Reichlich 100 Meter weiter ist die Einfahrt zur Tauchbasis ausgeschildert.

Infos: Tauchgänge kosten für Gasttaucher 5 Euro, für VDST-Mitglieder 2 Euro. Wer hier länger bleiben, übernachten, Lagerfeuer in einer Feuerschale machen, die Sauna nutzen etc. möchte, muss sich unbedingt anmelden.
Das geht an zwei Stellen:

1. bei der Leiterin des TANA (Tauchsport- und Naturschutzzentrum Ammelshain): Frau Sylvia Petersohn, Tel. + FAX 034 293-32625, Mobil 0160-9756 9187, eMail ammelshain@tauchsport-sachsen.de .

2. bei Frau Anja Friebel in der Geschäftsstelle des Landestauchsportverbandes Sachsen, Tel. + FAX 0341-973 1770, mobil 0177-958 9124 bzw. über die Online-Buchungsanfrage auf www.tauchsport-sachsen.de .

Weitere Tauchplätze in der Umgebung: Steinbruchsee Wildschütz www.ts-buder.de, UNTERWASSERWELT berichtete mehrfach), Westbruch Waldsteinberg (www.taucherparadies-sachsen.de ), Cospudener See Markkleeberg ( www.tauchschule-kamski.de )


Literatur: für Taucherautos Handschuhfach – „Tauchreiseführer Deutschland-Berlin, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen“ (ISBN 3-89594-070-4)

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